Wilhelm III. von Oranien und der Calvinismus in Lingen

Lingener Geschichte im Bild (31)

Wilhelm III. von Oranien regierte Lingen von 1674 bis 1702

In der aktuellen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier geht es heute um jene Epoche zwischen 1674 und 1702, in der die Oranier Stadt und Grafschaft Lingen vollständig in die Niederlande integrieren wollten. Das galt nicht nur für Recht und Verwaltung, sondern auch für Glaubenssachen.

Wilhelm III. und Maria von Schottland auf einem Delfter Teller

Nach der Niederlage des katholischen Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen und dem Abzug der münsterischen Truppen aus Lingen befürchtete die Bürgerschaft nicht ohne Grund die Rache der Oranier und die erneute Unterdrückung des katholischen Glaubens. Die Schließung der Stadttore beim Eintreffen der niederländischen Gesandten bildete einen zusätzlichen Affront gegen den rechtmäßigen Landesherrn Wilhelm III. von Oranien und wurde von diesem als Aufruhr gewertet. Als Aufwiegler vermutete man die katholische Geistlichkeit.

Krönung von Wilhelm III. und Maria von Schottland zum Englischen Königspaar

Der neue Statthalter war in der Tat ein entschiedener Vertreter des Calvinismus in allen seinen Territorien. Durch seien Heirat mit Maria von Schottland konnte der 1689 den englischen Königsthron besteigen und auch hier den Protestantismus fördern. Auf ihn gehen nicht zuletzt die berüchtigten antikatholischen Oraniermärsche der Protestanten in Nordirland zurück.

Wilhelm III. und Maria von Schottland auf dem Englischen Königsthron

Wilhelm III. zog die Lingener Bürgerschaft für die Verbrüderung mit dem Fürstbischof von Münster zur Verantwortung und verhängte Strafen gegen die Rädelsführer. Sämtliche Kirchengebäude und das gesamte Kirchenvermögen übertrug er sofort an die Reformierte Kirche. Sie war ab 1674 die einzige staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft. Die katholischen Geistlichen mussten das Land verlassen und jede öffentliche Ausübung des katholischen Glaubens wurde streng verboten. Die Lingener Katholiken waren rechtlich benachteiligt und von staatlichen Ämtern ausgeschlossen, etwa vom Stadtrat oder dem Bürgermeisteramt. Immerhin wurde aber niemand gezwungen, sich gegen seinen Willen zum Calvinismus zu bekennen.

Die Bauernhöfe des Landesherrn in der Grafschaft Lingen waren damals fast alle mit katholischen Familien besetzt. Hatte eine Bauernfamilie aber keinen Erben, so sollten fortan nicht katholische Verwandte, sondern ein reformierter Bauer in die Hofnachfolge eingesetzt werden. Besonders diese Verordnung stieß auf den erbitterten Widerstand der Landbevölkerung.

Die englische Königsfamilie mit Maria von Schottland und Wilhelm III von Oranien

Kein anderer Landesherr war in der katholischen Bevölkerung so verhasst wie Wilhelm III. von Oranien. Die bekannteste Lingener Sagenfigur, der grimmige Stadtgeist Machurius, geht auf den damaligen Vicdrosten Lambert Michgorius zurück, der die Anordnungen seines Landesherrn gegen den Willen der Bevölkerung vor Ort durchsetzen musste.