Geöffnet: Dienstag bis Sonntag von 14:30 bis 17:30 Uhr, sonst nach Absprache. An Feiertagen geschlossen (außer Tag der Deutschen Einheit und Reformationstag)
Gruppen in der Ausstellung bis zu maximal 25 Personen
Gruppen für Vorträge und Veranstaltungen im Saal nach Absprache
Terminvereinbarung unter Tel. (0591) 47601 oder Email: museum.lingen@t-online.de
Hat der Name Heitel etwas mit der Kopfbedeckung namens Hut zu tun? Das wird zumindest im neuen Ortsnamenbuch des Kreises Emsland (erschienen 2026) behauptet. Zwar wird hier Heitel nicht direkt auf den Hut bezogen, aber angegeben, Namen und Wort hätten einen gleichen Ursprung, der ‚gebogen‘ oder ‚geneigt‘ bedeutet habe. So kommt die Autorin, Claudia Maria Korsmeier, zu einer Deutung für Heitel als ‚beim Wald am Abhang‘.
Karte der Plantlünner Mark. 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Osnabrück, K, 32 Plantlünne Nr. 1 H.
Doch schauen wir uns das Ganze einmal genauer an: Die ältesten Belege des Namens, die in alten Aufzeichnungen des Klosters Werden a.d. Ruhr aus dem frühen 10. Jahrhundert erschienen, lauten Hatiloha und Hetiloha. Das e in der Form Hetiloha ist durch das nachfolgende i zu erklären, das das a zu e umlautet. Die Ausgangsform ist also Hatiloha, aus der sich dann Hetiloha, Hedela (um 1000, Abschrift 1479), Hethlo (um 1150), Hetelo (1245, Abschrift) und schließlich Heytel (1418) entwickelt.
Das Grundwort des Namens ist unstrittig: -loha ist der Wald, vor allem der Niederwald oder Hudewald. Doch das Bestimmungswort gibt Rätsel auf. Wegen der Form Hedela (um 1000) hat man es zur Heide, altniederdeutsch hêtha, stellen wollen. Doch passt hier nicht das th, das einen Zahlreibelaut meint und später zu d wird, zum t in Hati-. Das sind im Germanischen unterschiedliche Laute, die nicht vermischt werden dürfen. Gleiches gilt für den Anschluss an germanisch haϷu, altniederdeutsch hathu ‚Kampf‘, das etwa in Hadeln, alt Haduloha, anzutreffen ist.
Claudia Maria Korsmeier setzt nun ein germanisches Wort *hat ‚Gebogenes, Geneigtes‘ an, das angeblich auch in altenglisch hæt(t), englisch hat ‚Hut, Kopfbedeckung‘ stecke. Nur ist das mit der bisherigen Etymologie nicht zu vereinen. Denn das Wortfeld um Hut geht in allen germanischen Sprachen auf ‚hüten, bedecken‘ zurück und meint eigentlich ‚Obdach, Schutz‘. Ein germanisches Wort *hat in der Bedeutung ‚Gebogenes, Geneigtes‘ ist also abzulehnen. Auch eine germanische Basis *hađ /*haϷ ‚Berg, Abhang, Schräge‘, die von Jürgen Udolph für Haduloha/Hadeln erwogen wird, und die angeblich mit Schärfung des Dentals đ/Ϸ zu t auch in Hatiloha stecke, bleibt fern, weil sie ebenfalls etymologisch nicht abgesichert ist.
Schaut man nun nach einem passenden Ansatz, kommt man zum Wortfeld um germanisch *hati ‚Hass, Zorn, Bosheit, Kummer, Feindschaft, Verfolgung‘. Dass diese Begrifflichkeiten aus semantischen, also hinsichtlich der Bedeutung, nicht in Frage kämen, wie Korsmeier meint, widerlegen Waldnamen wie Striethorst ‚Streit-Wald‘ (zu horst ‚Hudewald, Niederwald‘), Haduloha/Hadeln (‚Kampf-Wald‘, zu germanisch haϷu ‚Kampf‘, vergl. Hader) oder der 859 genannte und bei Osnabrück zu verortende Landschaftsname Threcuuiti, eigentlich *Threkwidi, der zu altniederdeutsch threki ‚Kraft, Gewalt, Kummer‘ und widu ‚Wald‘ gehört. Dazu ist auch ein altenglischer Flurname Wrokcumbe zu stellen, der als ‚Hass-Tal‘ oder ‚Streit-Tal‘ zu übersetzen ist.
In der nordischen Mythologie finden wir dann zudem einen Ortsnamen, der genau passt: Hatafiorð oder Hatafjord, den man als ‚Hass-Fjord‘ übersetzen kann.
Ein Hatiloha, ein ‚Hass-Wald‘ ist also semantisch durchaus möglich, auch wenn uns das eigentliche Motiv für diese Benennung verborgen bliebt. Vielleicht hat hier einst ein Kampf stattgefunden.
Heute geht es in der Geschichtsserie von Emslandmuseum und El-Kurier um ein zentrales Thema der deutschen Geschichte: die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933. Dabei waren Lingen und das Emsland keineswegs Hochburgen des Nationalsozialismus.
Eine kleine Geschichte der niederdeutschen Sprache
Kürzlich hielt unser Museumsleiter Dr. Christof Spannhoff einen gut besuchten Vortrag zur Geschichte und Entwicklung des Plattdeutschen. An dieser Stelle soll daher eine kurze Zusammenfassung gegeben werden:
Im Mittelpunkt der heutigen Folge unserer Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier steht der Baumeister Hans Lühn (1886-1932), der mit seinen Bauten das Lingener Stadtbild in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat.
Zwischen Biene und Geeste ist auf einer alten Karte aus dem Jahr 1794 nördlich des Geester Esch und nördlich des Biener Hofes Bokschulte die Bezeichnung „Landwehr“ sowie zwischen dem Biener und Geester Feld „Alte Landwehr“ eingetragen. Doch worum handelt es sich bei einer Landwehr eigentlich?
Landwehr-Eintragungen auf der Grenzkarte von 1794.
Ehrenbogen zum Stadtjubiläum 1928 an der Wilhelmshöhe
In Lingen gab es 1928 eine „600-Jahrfeier“ und heute ist die Stadt schon über 1000 Jahre alt. Wie das möglich ist und warum das vermeintliche Gründungsjahr der Stadt im Jahre 1327 heute nicht mehr gültig ist, beleuchtet die 71. Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier.
Ausgrabung erbrachte sensationelle Erkenntnisse für die Vergangenheit unserer Stadt
Von Lukas Dziubek
Bundesfreiwilligendienstler am Emslandmuseum Lingen
Eigentlich wollte ich nur mal schauen, wie der Arbeitsalltag in der Lingener Stadtarchäologie abläuft. Dass ich dann aber direkt an der Ausgrabung einer sensationellen Entdeckung beteiligt war, hätte ich mir nicht träumen lassen…
Lukas Dziubek in der Ausgrabung. Foto: Dr. Dieter Lammers/Stadt Lingen.
Über eine der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der Stadt Lingen Lingen berichtet die heutige Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Denn am 1. Juni 1927 zog eine gewaltige Windhose, von den Niederlanden und durch die Grafschaft Bentheim kommend, über Schepsdorf und das Lingener Stadtzentrum hinweg in Richtung Oldenburg.
Warum emsländische Bauernsöhne ins Kloster eintraten
Welchen Lebensweg konnte ein Bauernsohn im 16. Jahrhundert einschlagen? Unsere allgemeine Vorstellung dieser fernen Zeit ist von der mittelalterlichen Ständelehre geprägt, durch die der Werdegang eines damaligen Zeitgenossen als recht festgelegt erscheint: Wer als Bauer geboren wurde, starb auch als Bauer. Doch war die historische Wirklichkeit nicht ganz so statisch wie das Bild, das wir von ihr haben. Das zeigen die Lebenswege einiger Landkinder aus dem nördlichen Münsterland und dem angrenzenden Emsland, die sich aus den Unterlagen des Kreuzherrenkloster Bentlage bei Rheine erkennen lassen:
Nordflügel des Kreuzherrenklosters Bentlage. Foto: Emslandmuseum Lingen.
1925 wurde die Bürgermeistervilla an der Wilhelmstraße fertiggestellt
Eines der schönsten Baudenkmäler in Lingen steht im Mittelpunkt der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier: Die Bürgermeistervilla an der Wilhelmstraße, die heute als Kulturvilla bekannt ist. 1923 entwarf der Lingener Architekt Hans Lühn (1886-1932), ein Sohn des Bauunternehmers Lühn, für die Stadtverwaltung das Wohn- und Dienstgebäude für den Bürgermeister, das mit seiner schlichten, aber wirkungsvollen Gestaltung bis heute beeindruckt.