Lingener Geschichte im Bild (38)

Wie der preußische „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. das Verbot der katholischen Gottesdienste beendete und damit die kirchlichen Verhältnisse in seiner Grafschaft Lingen befriedete, darüber berichtet die 38. Folge der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum.

1713 übernahm Friedrich Wilhelm die Regierung im Königreich Preußen und damit auch die Landesherrschaft in Stadt und Grafschaft Lingen. Gleich in seinen ersten Regierungsjahren ließ er das akademische Angebot der stark niederländisch geprägten „Hohen Schule“ neu organisieren. Die meisten Studenten in Lingen stammten aus den Niederlanden. Mit dem Übergang an Preußen ging die Zahl der Studienanfänger spürbar zurück. Der akademische Betrieb musste sich auf die neuen Verhältnisse ausrichten, um attraktiv für Studierende aus den zu bleiben und auch deutsche Studenten anzulocken.
Zu den Maßnahmen der preußischen Regierung gehörte die Berufung deutschsprachiger Professoren. So kam 1720 der Theologe Jakob Elsner als Professor für Theologie und Orientalistik nach Lingen. Acht Jahre später erteilte ihm die theologische Fakultät der Universität Utrecht den Doktorgrad der Theologie. Zwei Jahre darauf übernahm er die Leitung des Joachimsthaler Gymnasiums in Berlin.
Katholische Gottesdienste waren in Stadt und Grafschaft Lingen nach wie vor verboten, doch unter dem neuen König setzten hierzu intensive Verhandlungen zwischen der Kirche und der preußischen Regierung ein. Am 1. November 1717 erließ der König eine Deklaration, nach der katholische Gottesdienste in Privathäusern grundsätzlich wieder gestattet waren und auch der Bau katholischer Pfarrhäuser genehmigt wurde.
Im Laufe des Jahres 1718 begannen die ersten Gemeinden mit der Errichtung von schlichten Kirchhäusern aus Fachwerk, ohne Türme und Glocken, die äußerlich nicht als Kirchen erkennbar sein durften. Denn die Deklaration des Königs hatte ja nur private Gottesdienste genehmigt. Das Lingener Gotteshaus entstand in einem Gartengelände am Stadtgraben in der Nähe des Burgtors an der Stelle des heutigen Kolpinghauses. Das riesige Fachwerkgebäude sah aus wie eine große Scheune und diente bis zum Neubau der Bonifatiuskirche im Jahre 1836 als katholisches Gotteshaus.
Mit seiner Deklaration hatte der preußische Soldatenkönig einen wesentlichen Schritt zur Lösung der konfessionellen Streitigkeiten in Lingen erreicht. Von einer rechtlichen Gleichstellung der christlichen Kirchen im heutigen Sinne war man aber noch weit entfernt. Katholiken blieben in Stadt und Grafschaft Lingen Bürger zweiter Klasse.