Lingener Geschichte im Bild (39)

Ging es in der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum bislang häufig um Herrscher und Potentaten, so stehen in der aktuellen Folge die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Lingen im Mittelpunkt, die 1720 in einer Einwohner- und Berufsstatistik vollständig erfasst wurden.

Die Stadt zählte damals gut 1.700 Einwohner und Einwohnerinnen, die sich auf vierzig Berufsgruppen verteilten. Durch die Beamtenschaft, die Theologen, das Gericht und die Schulen waren die akademischen Berufe damals in Lingen stark ausgeprägt. Hierin spiegelt sich die Funktion der Stadt als Verwaltungszentrum und zentraler Ort für die Grafschaft Lingen und darüber hinaus. Die Kaufmannschaft und die Bürger, die von Geldgeschäften lebten, waren vergleichsweise gering vertreten. Neben einigen Getreidehändlern zählte die Statistik vor allem „Krämer“, die klassischen Einzelhändler, und „Höcker“, die Kleinhändler, die zum Teil auch mit Waren über Land zogen.

Die Handwerkerschaft bildete mit Bäckern, Schneidern, Schmieden, Schuhmachern, Tischlern, Zimmerleuten, Schlachtern, Barbieren, Leinenwebern und Tuchmachern die größte Gruppe in der Bürgerschaft. Auch Gastwirte und Fuhrleute betrieben in Lingen ihre Geschäfte. Die meisten Maurer und Steinhauern werden als arm bezeichnet, was auf eine geringe Bautätigkeit in der Stadt hindeutet.

Unter den Spezialhandwerkern werden ein Hutmacher, ein Knopfmacher, zwei Buchdrucker, ein Silberschmied, drei Kupferschmiede und ein Zinngießer aufgelistet. Das so spezialisierte Berufe in Lingen zu finden waren, unterstreicht die Bedeutung der Stadt als regionales Versorgungszentrum.

Die größte Berufsgruppe in Lingen bildeten 1720 die Tagelöhner, die fast 150 Haushalte ausmachten. Darunter waren viele Arme, insbesondere Frauen, die nur geringen Einkünfte hatten. Die Tagelöhnerfamilien wohnten größtenteils zur Miete.

Die Berufsstatistik zeigt mit ihrem Mix aus Handel und zum Teil hochspezialisierten produzierenden Gewerbe die Stadt Lingen 1720 als Versorgungszentrum für ein regional begrenztes Umland, in diesem Fall die preußische Grafschaft Lingen. Die gleiche Funktion übernahmen auch die Dienstleistungsberufe in der Stadt. Überregionale Wirtschaftskontakte gab es zum einen bei den akademischen Berufen, aber sicherlich auch bei den Kornhändlern. Ein florierender Wirtschaftsstandort war Lingen um diese Zeit offenkundig nicht.