Lingener Geschichte im Bild (46)

Nach dem Tod Friedrich des Zweiten 1786 hieß es auch in Lingen: „Der König ist tot – lang lebe der König“. Nun übernahm sein Neffe Friedrich Wilhelm II. die Regentschaft im Königreich Preußen und wurde damit auch Landesherr der Grafschaft Lingen. Darüber berichtet die heutige Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier.

Die Huldigungsfeier in Lingen fand am 13. November statt – allerdings ohne den König. Die Vertreter aller gesellschaftlichen Gruppen versicherten vielmehr dem Freiherrn von der Recke als ranghöchstem Mitglied einer vom König eingesetzten Huldigungskommission die Treue der Grafschaften Tecklenburg und Lingen zum neuen Herrscher.
Zwölf blasende Postillione, begleitet von reitenden Studenten der Lingener Universität, empfingen die Delegation an der Landesgrenze. Am Lookentor begrüßten der Magistrat und die uniformierten Beamten die Ehrengäste. Nach einer genau festgelegten Reihenfolge zogen sämtliche Honoratioren in die Stadt ein und begleiteten die Kommission zum Palais Danckelmann, damals Sitz der örtlichen preußischen Regierung.

Am nächsten Morgen läuteten alle Glocken der Stadt eine geschlagene Stunde lang für den neuen König. Die Bürgerschaft nahm vor dem Rathaus Aufstellung und zog von dort zur Reformierten Kirche, wo die Verwaltungsspitzen, die Landstände, Vertreter der Universität, die gesamte Geistlichkeit, Delegationen der Landgemeinden und der Beamtenschaft bereits versammelt waren. Nach einer Predigt zum Thema „Fürchtet Gott, ehret den König“ zog die Festgesellschaft zum Rathaus, um vor einem dort aufgestellten Thron den Vertretern des Königs zu huldigen. Anschließend konnte die Bevölkerung auf einem zweiten Thron vor dem Rathaus ihre Treue zum König bekunden. Am endete erschallte der von Pauken und Trompeten begleitete Jubelruf: „Es lebe der König Friedrich Wilhelm der Vielgeliebte!“.

Es folgt ein Festessen mit mehreren hundert Teilnehmern, das immer wieder von Gedichten und Segenswünschen unterbrochen wurde. Zum Schluss der Mahlzeit wurden silberne Huldigungsmedaillen mit einem Porträt des Königs ausgeteilt, von denen mehrere im Emslandmuseum erhalten sind. Gegen Abend gab es einen Fackelzug durch die mit zahlreichen Kerzen illuminierte Innenstadt. Leider wurden viele der Lichter von einem starken Novemberwind ausgeblasen.

Am nächsten Morgen setzt die Huldigungskommission ihre Reise in Richtung Ostfriesland fort. Bis an die Landesgrenze wurde sie von reitenden Studenten begleitet, die für ihre Ehrerbietung mit weiten Huldigungsmedaillen beschenkt wurden.