Lingener Geschichte im Bild (47)

Um eine Beschreibung Lingens aus dem Jahr 1787 geht es heute in der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum. Verfasst hat sie der preußische Regierungsbeamte Johann Christoph Gabel und das Original liegt in der historischen Bibliothek des Gymnasiums Georgianum.

Der Verfasser beschreibt darin alle vierzehn Gemeinden der damaligen Grafschaft Lingen, von denen heute zehn zum Emsland und vier zum Kreis Steinfurt und damit zu Westfalen gehören. Der emsländische Teil zählte damals knapp 15.000 Einwohner, von denen etwa 1800 in den Städten Lingen und Freren lebten.
Zu den Landbewohnern schreibt Gabel: „Es finden sich darunter große und starke, aber auch kleine schwache Manns- und Frauen-Personen. Sie sind ernsthaft, beständig und ziemlich keusch, bei Lustbarkeiten aber zuweilen außerordentlich fröhlich.“ Zum Arbeitseifer der Bauern zitiert Gabel ein damals verbreitetes Sprichwort, das lautete: „Wenn der Bauer nicht muss, so reget er weder Hand noch Fuß.“ Ferner schreibt er: „In Essen und Trinken sind sie sparsam, und sind die Landleute wohl zufrieden, wenn sie nur 365 Pfannekuchen jährlich haben und mit Schwarzbrot, so sie Pumper-Nickel nennen, auch Schinken, Speck und geräucherten Mettwürsten versehen sind.“
Zur Stadt Lingen vermerkt der Chronist: „Die Stadt Lingen ist jetzt die Hauptstadt des Landes, hat 310 Häuser, ist wegen ihrer angenehmen Lage und des nicht weit vorbei fließenden Ems-Stromes und starken Passage von Deutschland nach Holland bemerkenswert. Sie ist mit Wall und Graben versehen, hat auch drei Tore, nämlich das Burg-, Looken- und Mühlen-Tor, welche verschlossen und die Brücken aufgezogen werden können.
Die Stadt ist ziemlich regelmäßig erbaut und hat besonders einen großen freien Marktplatz, auch nicht gar zu enge und größtenteils mit Lindenbäumen besetzte Straßen und Gassen. Die mehresten Häuser sind jedoch von Holz und nur mit einer Etage gebaut. Es finden sich darin viele hübsch ausgebaute Publique Gebäude und private Bürgerhäuser.
Unter den ansehnlichsten Gebäuden aber zu zählen der Hof des in hiesigen Landen vormals sehr beliebt gewesenen Freyherr von Danckelmann. An einem nach der Straßenseite hoch angebrachten Stein findet man in goldenen Buchstaben ausgehauen: Königlich Preußisches Collegien Haus 1769.“ Im heutigen Amtsgericht hatte damals also die preußische Regierung für die Grafschaften Lingen und Tecklenburg ihren Sitz.