Revolution in Frankreich – neuer König in Lingen

Lingener Geschichte im Bild (48)

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen

Um die Folgen der Französischen Revolution von 1789 geht es in dem heutigen Beitrag der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Denn die Ausrufung der Republik sowie die Hinrichtung des Königs und seiner Familie in Frankreich setzten eine Kette von Kriegen und Umbrüchen in Europa in Gang, die bald auch in Lingen zu spüren waren.

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen

Die Monarchen Europas eilten mit ihren Heeren dem abgesetzten französischen König zur Hilfe, wurden aber von den Revolutionstruppen zurückgeworfen. Diese besetzten das Rheinland und die Niederlande, um auch dort die Republik auszurufen. Daraufhin schlossen die führenden Königshäuser Europas ein Bündnis gegen Frankreich.

1795 trat Preußen aus dieser Koalition aus und vereinbarte einen Waffenstillstand mit Frankreich. Norddeutschland sollte neutral bleiben und zwischen beiden Ländern eine neutrale Zone eingerichtet werden. Daraufhin besetzten englische und hannoverische Truppen Lingen und quartierten sich in der Stadt ein. Die katholische Kirche nutzten sie als Pferdestall, die Kreuzkirche diente als Lazarett. Bald hörte man von Süden her man bis Lingen und Lengerich den Donner der französischen Artillerie beim Beschuss der hannoverischen Truppen, die sich auf der Burg Bentheim verschanzt hatten. Am 20. März standen dann französische Soldaten an der Emsfähre bei Schepsdorf, ließen das neutrale Lingen aber unbehelligt.

Im Oktober 1797 feierte die Hohe Schule in Lingen ihr hundertjähriges Bestehen. Die akademischen Feiern konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der Studenten wegen der Kriegsgefahren stark zurückgegangen war. Insbesondere die für Lingen wichtigen Studierenden aus den Niederlanden blieben aus.

Die Königliche Familie

Bald darauf starb der Preußische König und sein Sohn Friedrich Wilhelm III. von Preußen kam auf den Thron. Delegationen aus Lingen eilten nach Berlin, um dem neuen Herrscher zu huldigen. Der neue Herrscher setzte die Neutralitätspolitik seines Vaters fort und so blieb die Lage in Lingen zunächst vergleichsweise ruhig.

1803 konnte Preußen bei der Auflösung und Aufteilung des Fürstbistums Münster seine Gebiete in Westfalen erheblich ausweiten und Lingen wurde nun Teil einer großen preußischen Provinz im westfälischen Raum. Diese Gebiete waren aber von den französischen Truppen bedroht und Preußen baute deshalb sein Militär aus. Bis 1805 hatte sich die Grafschaft Lingen gegen eine hohe jährliche Geldzahlung vom Militärdienst befreien lassen. Angesichts der Kriegslage mussten nun erstmals Rekruten gestellt werden. Sobald sich die preußischen Werber jedoch in Lingen sehen ließen, flüchteten die wehrpflichtigen jungen Männer in Scharen nach Holland.

Die königliche Familie Weihnachten 1803

1806 erklärte Napoleon Preußen den Krieg. Rasch rückten die französischen Truppen vor und schlugen die Preußen bei Jena und Auerstedt. Die Franzosen besetzten Lingen, dass 1807 Teil des „Großherzogtums Berg“ wurde. Das Gebiet dieses neu gebildeten französischen „Satellitenstaates“ reichte vom Rhein bis in das Emsland. Die Regierung übernahm Joachim Murat, ein Schwager Napoleons. Die preußische Herrschaft in Lingen war damit bis auf Weiteres beendet.