Archiv für den Monat: Dezember 2025

Zur Datierung des ältesten Werdener Urbars (A)

Zahlreiche Orte im Emsland werden erstmals in Schriftzeugnissen des Klosters Werden an der Ruhr erwähnt, das über reichen Besitz im Bereich der Ems verfügte. Wichtig ist hier vor allem das älteste Urbar der geistlichen Einrichtung. Allerdings besteht ein Problem: Das Abgabenverzeichnis ist nicht datiert. Daher wird der Zeitpunkt immer mit „um 890“ angegeben. Aber woher wissen wir das eigentlich?

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Ein Lingener Landrat zwischen allen Stühlen

Lingener Geschichte im Bild (52)

Carl Philipp Mauve (1754-1821) regierte Lingen in schwierigen Zeiten

Was der häufige Wechsel der Landesherrschaft in der Franzosenzeit für die örtliche Verwaltung bedeutete, zeigt die heutige Folge der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum am Beispiel des Lingener Landrates Carl Phillip Mauve, der zwischen 1803 und 1815 häufig zwischen allen Stühlen saß.

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Purrk met söt Natt

Weihnachtsessen um 1900

Wenn man heute durch die Prospekte der Supermärkte blättert, scheint klar zu sein, was an Weihnachten auf den Tisch gehört: Raclette erfreut sich großer Beliebtheit, daneben sind die klassische Weihnachtsgans sowie Ente oder Pute feste Größen des Festmenüs. Doch ein Blick zurück zeigt, dass die Weihnachtsküche vor über 125 Jahren – zumindest im Emsland – ganz anders aussah.

Archiv für Alltagskultur in Westfalen, Inventarnummer, MS03468.

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Lingen in der Franzosenzeit

Lingener Geschichte im Bild (51)

Napelon herrschte Anfang des 19. Jahrhunderts über weite Teile Europas

In der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier geht es um die „Franzosenzeit“. Damit bezeichnet man die Jahre der französischen Besatzung in Deutschland unter Napoleon, in denen das Emsland sogar zeitweise ein Teil der Kaiserreiches Frankreich wurde.

Nach der Schlacht bei Jena und Auerstädt 1806 bildeten die Franzosen aus mehreren Gebieten in Westfalen und im Emsland, darunter auch den Grafschaften Lingen und Tecklenburg, einen neuen Verwaltungsbezirk mit der Hauptstadt Münster. Im April 1807 zog die neue Verwaltungsspitze in Lingen ein und verkündete die neue Rechtsordnung nach französischem Muster. Doch dies war nur eine Übergangsverwaltung.

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Focks im Emsland

Auf den Spuren eines Familiennamens

Im südlichen Emsland tragen viele Menschen den Familiennamen Focks. Doch woher kommt dieser Name? Hat er vielleicht etwas mit dem gleichlautenden englischen Ausdruck fox für den Fuchs zu tun? Dieser heißt im Niederdeutschen allerdings Voss und er stand ebenfalls sehr häufig Pate für den Familiennamen Voß – sei es wegen der Schlauheit des Trägers oder dessen rotblonder Haarfarbe.

Verbreitung des Namens Focks in Deutschland.

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Eine seltsame Pyramide aus der Franzosenzeit

Lingener Geschichte im Bild (50)

Um ein seltsames Grabdenkmal auf dem Alten Friedhof in Form einer Pyramide geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum. Wir verraten, welcher ausländische Staatsmann hier im Jahre 1800 begraben wurde, warum er in Lingen starb und was das Ganze mit der Französischen Revolution zu tun hatte.

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Wie 1925 das Licht anging

100 Jahre Stromverbindung ins Emsland

In diesem Jahr feiern wir ein besonderes Jubiläum: Vor 100 Jahren, im Jahr 1925, wurde die erste überregionale Stromleitung ins Emsland gebaut. Ein Ereignis, das den Alltag der Region für immer veränderte – und das wir heute, im Zeitalter von Smart Homes und LED-Lampen, kaum noch zu würdigen wissen.

Antrieb des Dreschkastens mit Elektromotor.

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Francois Renard – ein französischer Priester als Flüchtling im Emsland

Lingener Geschichte im Bild (49)

Selbstporträt des Abbé Renard in einem handgeschriebenen Gebetbuch

Um den französischen Priester Francois Renard geht es in dem heutigen Beitrag der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Zwischen Revolution und Reform fand Renard in Deutschland eine neue Heimat. An der Lateinschule in Lingen brachte er nicht nur Sprachwissen, sondern auch künstlerische Werke mit. Trotz konfessioneller Unterschiede erlangte er Ansehen, und seine Schöpfungen hinterließen einen bleibenden Eindruck.

Zeichnung des Abbé Renard in einem handgeschriebenen Gebetbuch

Nach der französischen Revolution verweigerten viele Geistliche den Eid auf die neue Verfassung und galten damit, wie der gesamte Adel, als Feinde der Republik. Sie mussten in Frankreich um ihr Leben fürchten. Tausende Adelige und Geistliche flüchteten in die Nachbarländer. Die vordringenden Revolutionstruppen zwangen sie bald zur weiteren Flucht und viele fanden schließlich Aufnahme in Deutschland.

Einer von ihnen war der Abbe Francois Renard (= Fuchs). Dieser aus der Gegend von Amiens stammende Geistliche hatte in Frankreich als Hofkaplan beim Herzog von Havré, Prinz von Croy, gedient. Nach seiner Flucht fand er 1794 Aufnahme als Erzieher bei der Familie von Langen auf Gut Spyk in Bramsche bei Lingen.

Im September 1798 erhielt Renard, obwohl er katholischer Priester war, eine Anstellung als französischer Sprachlehrer an der reformierten Lateinschule in Lingen. Neben seinen Sprachkenntnissen waren dort seine schöne Handschrift und seine Zeichenkünste geschätzt. Die preußische Regierung hatte zuvor Erkundigungen über Renard eingeholt und festgestellt, dass der katholische Geistliche aus Frankreich keine politische und religiöse Gefahr für die Schüler darstellte.

Während der Zeit der französischen Besatzung in Lingen (1809 bis 1813) gingen die Zahl der Schüler an der Lateinschule stark zurück und zeitweise ruhte der Lehrbetrieb ganz. Damals fand Renard Aufnahme beim Baron von Müller auf Schloss Herzford, obwohl der Baron selber zur Reformierten Kirche gehörte. Das Gut Herzford hatte aber die Verpflichtung, einen Geistlichen für die Kirche in Elbergen zu unterhalten und dafür stellte von Müller 1810 den „Professor Abbé Renard“ als Hausgeistlichen an. Da der Baron unter den Franzosen auch das Amt des Bürgermeisters für den neuen Verwaltungsbezirk Emsbüren ausübte, konnte der Geistliche außerdem die Schreib- und Übersetzungsdienste erledigen.

Nach dem Abzug der Franzosen kehrte Renard 1814 in seine alte Stellung als Sprachlehrer in Lingen zurück und vertrat dort zeitweise sogar vakante Professure an der „Hohen Schule“. Als diese 1817 von der neuen Hannoverischen Regierung in ein Gymnasium umgewandelt wurde, zählte Renard zu den wenigen Lehrern, die für die neue Schule übernommen wurden.

Später kehrte Renard in seine Heimat zurück, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Als aber 1836 die neu erbaute Bonifatius-Kirche in Lingen eingeweiht wurde, konnte man unter den Ehrengästen auch den „ehemaligen Sprachlehrer am Gymnasium, den Abbé Renard, jetzt in Frankreich“ begrüßen.

Signatur des Abbé Renard als Fuchs

Unter den zahlreichen französischen Emigranten war der Abbe Francois Renard wohl der einzige katholische Geistliche, der ausgerechnet an einer reformierten Schule in Preußen als Lehrer Aufnahme fand. Er verfasste handschriftliche Gebet- und Gesangbücher mit hübschen Illustrationen, die in manchen Kirchenarchiven bis heute erhalten sind. Auf die Titelblätter zeichnete Renard häufig einen kleinen Fuchs, denn der französische Name Renard bedeutet auf Deutsch nichts anderes als Fuchs.

Ein „großjähriges Kind“ wechselt seinen Vormund

Vor 70 Jahren wird Lingen wieder selbstständige Stadt

Einladung zur Festsitzung des Rates der Stadt Lingen. Foto: Emslandmuseum Lingen.

Unter der ebenso augenzwinkernden wie treffenden Überschrift „Ein ‚großjähriges Kind‘ wechselt seinen Vormund“ berichtete der Lingener Volksbote im Jahr 1955 über einen historischen Schritt: die erneute Verleihung der Rechtsstellung Lingens als selbstständige Stadt. Der Weg dahin begann jedoch bereits im 19. Jahrhundert: Auf Grundlage der hannoverschen Städteordnung von 1858, die den Städten eine stärkere Selbstverwaltung ermöglichte, sowie der Kreisordnung für die Provinz Hannover von 1884, die die Aufgabenverteilung zwischen Gemeinden und Kreisen regelte, war Lingen wegen seiner wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung als selbstständige Stadt anerkannt worden. Damals wie heute bedeutete diese besondere Stellung, dass die Stadt sowohl kommunale Aufgaben als auch bestimmte Kreisaufgaben übernimmt. Doch 1933 wurde diese Eigenständigkeit abrupt beendet: Durch die nationalsozialistische Gleichschaltung der Kommunen, insbesondere das Gemeindeverfassungsgesetz, verloren viele Städte ihre Selbstständigkeit – so auch Lingen.

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