Francois Renard – ein französischer Priester als Flüchtling im Emsland

Lingener Geschichte im Bild (49)

Selbstporträt des Abbé Renard in einem handgeschriebenen Gebetbuch

Um den französischen Priester Francois Renard geht es in dem heutigen Beitrag der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Zwischen Revolution und Reform fand Renard in Deutschland eine neue Heimat. An der Lateinschule in Lingen brachte er nicht nur Sprachwissen, sondern auch künstlerische Werke mit. Trotz konfessioneller Unterschiede erlangte er Ansehen, und seine Schöpfungen hinterließen einen bleibenden Eindruck.

Zeichnung des Abbé Renard in einem handgeschriebenen Gebetbuch

Nach der französischen Revolution verweigerten viele Geistliche den Eid auf die neue Verfassung und galten damit, wie der gesamte Adel, als Feinde der Republik. Sie mussten in Frankreich um ihr Leben fürchten. Tausende Adelige und Geistliche flüchteten in die Nachbarländer. Die vordringenden Revolutionstruppen zwangen sie bald zur weiteren Flucht und viele fanden schließlich Aufnahme in Deutschland.

Einer von ihnen war der Abbe Francois Renard (= Fuchs). Dieser aus der Gegend von Amiens stammende Geistliche hatte in Frankreich als Hofkaplan beim Herzog von Havré, Prinz von Croy, gedient. Nach seiner Flucht fand er 1794 Aufnahme als Erzieher bei der Familie von Langen auf Gut Spyk in Bramsche bei Lingen.

Im September 1798 erhielt Renard, obwohl er katholischer Priester war, eine Anstellung als französischer Sprachlehrer an der reformierten Lateinschule in Lingen. Neben seinen Sprachkenntnissen waren dort seine schöne Handschrift und seine Zeichenkünste geschätzt. Die preußische Regierung hatte zuvor Erkundigungen über Renard eingeholt und festgestellt, dass der katholische Geistliche aus Frankreich keine politische und religiöse Gefahr für die Schüler darstellte.

Während der Zeit der französischen Besatzung in Lingen (1809 bis 1813) gingen die Zahl der Schüler an der Lateinschule stark zurück und zeitweise ruhte der Lehrbetrieb ganz. Damals fand Renard Aufnahme beim Baron von Müller auf Schloss Herzford, obwohl der Baron selber zur Reformierten Kirche gehörte. Das Gut Herzford hatte aber die Verpflichtung, einen Geistlichen für die Kirche in Elbergen zu unterhalten und dafür stellte von Müller 1810 den „Professor Abbé Renard“ als Hausgeistlichen an. Da der Baron unter den Franzosen auch das Amt des Bürgermeisters für den neuen Verwaltungsbezirk Emsbüren ausübte, konnte der Geistliche außerdem die Schreib- und Übersetzungsdienste erledigen.

Nach dem Abzug der Franzosen kehrte Renard 1814 in seine alte Stellung als Sprachlehrer in Lingen zurück und vertrat dort zeitweise sogar vakante Professure an der „Hohen Schule“. Als diese 1817 von der neuen Hannoverischen Regierung in ein Gymnasium umgewandelt wurde, zählte Renard zu den wenigen Lehrern, die für die neue Schule übernommen wurden.

Später kehrte Renard in seine Heimat zurück, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Als aber 1836 die neu erbaute Bonifatius-Kirche in Lingen eingeweiht wurde, konnte man unter den Ehrengästen auch den „ehemaligen Sprachlehrer am Gymnasium, den Abbé Renard, jetzt in Frankreich“ begrüßen.

Signatur des Abbé Renard als Fuchs

Unter den zahlreichen französischen Emigranten war der Abbe Francois Renard wohl der einzige katholische Geistliche, der ausgerechnet an einer reformierten Schule in Preußen als Lehrer Aufnahme fand. Er verfasste handschriftliche Gebet- und Gesangbücher mit hübschen Illustrationen, die in manchen Kirchenarchiven bis heute erhalten sind. Auf die Titelblätter zeichnete Renard häufig einen kleinen Fuchs, denn der französische Name Renard bedeutet auf Deutsch nichts anderes als Fuchs.