Purrk met söt Natt

Weihnachtsessen um 1900

Wenn man heute durch die Prospekte der Supermärkte blättert, scheint klar zu sein, was an Weihnachten auf den Tisch gehört: Raclette erfreut sich großer Beliebtheit, daneben sind die klassische Weihnachtsgans sowie Ente oder Pute feste Größen des Festmenüs. Doch ein Blick zurück zeigt, dass die Weihnachtsküche vor über 125 Jahren – zumindest im Emsland – ganz anders aussah.

Archiv für Alltagskultur in Westfalen, Inventarnummer, MS03468.

Ein eindrucksvolles Zeugnis davon liefert ein Zeitzeuge aus Beesten, der im Jahr 1968 im Alter von 81 Jahren seine Erinnerungen an die Weihnachtszeit um 1900 schilderte. Seine Berichte wurden für die Volkskundliche Kommission für Westfalen festgehalten, die sich heute als Kommission Alltagskulturforschung für Westfalen mit dem Leben vergangener Generationen beschäftigt.

Deftig und sättigend

Das Weihnachtsessen war damals vor allem eines: deftig. Da am Heiligabend streng gefastet wurde, begann der erste Weihnachtstag frühmorgens mit einem kräftigen Mahl. Hungrig fielen die Menschen über Speckpfannkuchen her – eine willkommene Stärkung nach dem enthaltsamen Vortag.

Zum Mittagessen kam traditionell Grünkohl, im Emsland auch „Moos“ genannt, auf den Tisch. Dazu gab es Mettwurst oder Schweinerippe. Den süßen Abschluss bildete Milchreis, der liebevoll „Dicken Ries“ genannt wurde und mit Zucker und Zimt gereicht wurde. Am Nachmittag zur Vesper gehörte Korinthenstuten mit Butter ganz selbstverständlich dazu.

Schlachtfest, Wild und neue Süßspeisen

Da kurz vor Weihnachten geschlachtet wurde, standen in den folgenden Tagen Suppe, Braten und Salzkartoffeln auf dem Speiseplan. In Jägerhaushalten kam auch Wildfleisch auf den Tisch – ein besonderer Genuss zur Festzeit.

Um die Jahrhundertwende hielt zudem eine neue Süßspeise Einzug: der Pudding. Sein Name wurde im Niederdeutschen zu „Purrrk“ verformt. Anfangs wurde er mit Speisestärke angerührt, später erleichterte Puddingpulver die Zubereitung. Übergossen wurde der Pudding mit „Söt Natt“, einer süßen Fruchtsoße, die besonders bei den Kindern beliebt war – nicht selten wurden die Teller bis auf den letzten Tropfen ausgeschleckt.

Weihnachtliches Gebäck mit Ausblick auf das neue Jahr

Neben dem klassischen Korinthenstuten bereicherten Honigkuchen und Butterkuchen die Kaffeetafel. Und obwohl Silvester noch ein paar Tage entfernt war, gab es bereits zu Weihnachten Neujahrshörnchen und Pfeffernüsse, die selbst gebacken wurden.