Ein Lingener Landrat zwischen allen Stühlen

Lingener Geschichte im Bild (52)

Carl Philipp Mauve (1754-1821) regierte Lingen in schwierigen Zeiten

Was der häufige Wechsel der Landesherrschaft in der Franzosenzeit für die örtliche Verwaltung bedeutete, zeigt die heutige Folge der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum am Beispiel des Lingener Landrates Carl Phillip Mauve, der zwischen 1803 und 1815 häufig zwischen allen Stühlen saß.

Der Preußische Staats setzte auf eine zuverlässige Beamtenschaft

Mauve wurde 1754 in einer preußischen Beamtenfamilie in Tecklenburg geboren. Er studierte Jura und trat in den Verwaltungsdienst der preußischen Regierung in Minden ein. 1786 übernahm er im Rang eines Kriegs- und Domänenrates die Leitung der Tecklenburg-Lingenschen Regierung in Lingen. Gleichzeitig war er oberster Verwaltungsbeamter für die Grafschaft Lingen.

1803 besetzten die Franzosen Lingen. In den folgenden Jahren wechselte mehrfach die staatliche Zugehörigkeit der Stadt. Obwohl er schon viele Jahre in preußischen Diensten gestanden hatte, ernannten die Franzosen Mauve 1806 zum Unterpräfekten für das neue Emsdepartements des Großherzogtums Berg. Durch diese Personalentscheidung blieb in der Verwaltung vor Ort zunächst vieles beim Alten.

Dies änderte sich, als Lingen 1810 Teil des Kaiserreiches Frankreich wurde. Französische Beamte übernahmen die leitenden Funktionen in der Regierung. Sie erkannten in Mauve aber einen zuverlässigen Beamten und beließen ihn daher auf seinem Posten als Unterpräfekt in Lingen. Unter dem Druck der Besatzungsregimes war dies keine einfache Position, aber Mauve vermittelte geschickt zwischen den Weisungen der Regierung und den Interessen der örtlichen Bevölkerung.

Wappen von Carl Philipp Mauve

Als die Franzosen 1813 aufgrund der Kriegslage aus dem Emsland abzogen, sprach die preußische Regierung Mauve erneute das Vertrauen aus und ernannte ihn zunächst zum Regierungskommissar und Ende 1813 zum Landrat in Lingen. Da der Krieg gegen Frankreich weiterhin anhielt, gehörte zu seinen ersten Aufgaben die Unterstützung des preußischen Militärs bei der Aufstellung einer Landwehr und eines Landsturmes aus allen wehrfähigen Männern. Dies war wegen der in Lingen weit verbreiteten Fahnenflucht nicht einfach.

Bei Wiener Kongress 1815 erließ Preußen die Niedergrafschaft Lingen überraschend dem Königreich Hannover. Damit war die Laufbahn des preußische Beamten Mauve in Lingen beendet, denn die örtliche Verwaltung übernahm der hannoverische Landdrost von Fürstenau, Maximilian von Böselager. Damit Mauve im preußischen Staatsdienst bleiben konnte, wechselte er nach fast 30 Dienstjahren in Lingen auf den Posten des Landrates in Tecklenburg in der neu gebildeten preußischen Provinz Westfalen. Dort baute er eine moderne preußische Verwaltung auf und kümmerte sich besonders um die Wirtschaftsförderung. Er verlegte den Verwaltungssitz von der Tecklenburg in die zentraler gelegenen Bergbaustadt Ibbenbüren und starb dort 1821.