Wiener Kongress brachte 1815 neue Staatsgrenze im Emsland

Lingener Geschichte im Bild (54)

Grenzstein von 1827 zwischen den Königreichen Hannover und Preußen bei Spelle

Um eine neue Staatsgrenze im Emsland nach dem Wiener Kongress von 1815 geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum. Die neue preußischen Provinz Westfalen und das neue gebildeten Königreich Hannover trennte bald eine gut markierte und streng bewacht Staats- und Zollgrenze.

Der umstrittene Grenzverlauf an der Ems in Hummeldorf und Holsten

Zwischen Salzbergen und Rheine, Spelle und Dreierwalde, Schapen und Hopsten sowie Freren und Schale gab es bis dahin keine festen Grenzlinien, an denen sich die neue Staatsgrenze orientieren konnte. So wurde zunächst eine provisorische Grenze vereinbart, die den Grenzen der alten Kirchengemeinden und ihrer Bauerschaften folgte. Hügel und Kuhlen sowie markante Bäume und Gewässer, manchmal auch dicke Findlinge bildeten die traditionellen Grenzmarkierungen. Für eine neuzeitglich Staatsgrenze reichten solche Grenzzeichen aber nicht mehr aus.

Außerdem gab es Streit um einige Grenzbauernhöfe, deren Häuser direkt auf der Grenze standen, wobei der Schornstein als Grenzmarkierung angesehen wurde. Hierzu gehörte der Schulzenhof Schweifing in Hummeldorf. Der Bauer gab an, dass er immer zum Kirchspiel Salzbergen gehört habe und kam daher an das Königreich Hannover. Die Bauern Fenker und Niehoff in Holsten gehörten zum Gutsbezirk des Klosters Bentlage bei Rheine und wurden daher von Preußen beansprucht. Beide Familien gingen aber von alters her nach Salzbergen zur Kirche und kamen daher ebenfalls zum Königreich Hannover.

Aus dem „Fünfländereck“ der Gemeinden Holsten, Listrup, Lünne, Dreierwalde und Altenrheine wurde der Grenzstein in den Barentelgen bei Spelle

Bei Spelle lief die Grenze auf weiter Strecken durch unbesiedeltes Ödland. Einen alten Grenzpunkt bildete dort das „Fünfländereck“ in den Barentelgen, wo die Gemeinden Holsten, Listrup, Lünne, Dreierwalde und Altenrheine aufeinandertrafen.

Die Ausbuchtung der Grenze beim Hof Vorbrink zwischen Schapen und Hopsten

Weiter im Raum Schapen lag der Hof Vorbrink weit vorgeschoben in das Hopstener Gebiet, gehörte aber traditionell immer zur Gemeinde Schapen. So wurde die neue Staatsgrenze kurzerhand um diesen Hof herumgezogen. Die Einbuchtung im ansonsten ziemlich gradlinigen Grenzverlauf ist in der heutigen Kreisgrenze zwischen dem Landkreis Emsland und dem Kreis Steinfurt noch immer sichtbar.

Die Hannover-Seite auf den Grenzstein von 1827

Nachdem beide Parteien sich über den endgültigen Grenzverlauf einig waren, wurde die neue Grenze im Bereich von der Grafschaft Bentheim und bis zum Grenzpunkt auf der Meßlage bei Freren mit 42 großen Hauptgrenzsteinen markiert. Sie zeigen auf der einen Seite den Buchstaben H für Hannover und die Jahreszahl 1827 sowie auf der Gegenseite ein P für Preußen. Dazwischen waren noch zahlreiche kleine Zwischensteine aufgestellt. Viele dieser Grenzmarkierungen von 1827 stehen auch nach fast 200 Jahren noch im Gelände. Sie markieren heute die Grenze zwischen den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.