Lingener Geschichte im Bild (56)

Um die Verkehrsinfrastruktur zu Zeiten des Königreichs Hannover geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Denn neben dem Bau fester Straßen lag ein besonderes Augenmerk der Hannoverischen Verkehrsplanung auf der Schiffbarmachung der Ems. Dies war aber zwischen Hanekenfähr und Meppen nur durch den Bau eines Kanals möglich.

Bei der Absteckung ihrer Interessen im Emsland hatten die Königreiche Hannover und Preußen vereinbart, dass die stark versandere Ems von der Mündung in den Dollard stromaufwärts bis zum Oberlauf bei Greven wieder durchgängig schiffbar gemacht werden sollte. Beide Staaten verpflichteten sich, auf ihrem Gebiet die dafür notwendigen Baumaßnahmen durchführen.

Bald stellten die hannoverischen Ingenieure fest, dass ein Ausbau des Emslaufes zwischen Hanekenfähr und Meppen technisch nicht möglich war. Deshalb wurde auf diesem Abschnitt in den Jahren 1820 bis 1829 eine künstliche Wasserstraße gebaut. In Hanekenfähr entstand 1824 die Mündungsschleuse in die Ems und 1828 in Meppen die Koppenschleuse als Mündungsschleuse in die Hase. Der Kanal wurde „Ems-Canal“ oder auch „Haneken-Kanal“ genannt. Er hatte von Hanekenfähr bis Meppen eine Länge von 25 Kilometern und war auf eine Wasserspiegelbreite von 16 Metern sowie eine Tiefe von 1,5 Metern angelegt. Für eine hölzerne Emspünte war das mehr als ausreichend. Die 11,70 Meter Höhenunterschied zwischen der Ems bei Lingen und der Hase bei Meppen wurden durch vier Schleusen in Geeste, Varloh, Teglingen und Meppen überwunden.
Das aufwendige Kanalprojekt galt als technische Meisterleistung des Königreiches Hannover. In Lingen entstand der Alte Hafen mit einem Packhaus für den Warenumschlag. Dort bildete sich das erste Industriegebiet in Lingen mit Lagerhäusern, Umschlagplätzen, einem Sägewerk und weiteren Gewerbebetrieben. Auch Hafenkneipen siedelten sich hier an.

Oberhalb von Lingen sicherten die Stauwehre in Hanekenfähr und Listrup den nötigen Wasserstand für die Emsschifffahrt. Bald war es denn beladenen Pünten ganzjährig möglich, die Landesgrenze bei Salzbergen zu erreichen. Auf preußischer Seite ließ man sich länger Zeit mit dem Flussausbau. Besonders der aufwendige Schleusenbau unterhalb von Rheine zog sich bis 1841 hin.

Bis zur Eröffnung der Eisenbahnstrecke Münster-Emden 1856 herrschte auf dem neuen Kanal reger Schiffsverkehr. Dann aber machten niedrige Frachtgebühren der Eisenbahn den Schiffern Konkurrenz. Auch weigerte sich die Bahngesellschaft lange Zeit, einen Gleisanschluss in den Hafen Lingen zu einzurichten. Gegen die schnellere und günstigere Eisenbahn konnten die Schiffer nur schwer bestehen. Auch die niedrige Ausbautiefe und die geringen Ausmaße der Schleusen machten sich nachteilig bemerkbar. Erst mit dem Bau des Dortmund-Ems-Kanals, der zwischen Hanekenfähr und Meppen die Trasse des alten „Ems-Canals“ benutzt, nahm der Schiffsverkehr im Emsland wieder zu.
