Das Hannoverische Königshaus – eine komplizierte Dynastie

Lingener Geschichte im Bild (57)

Georg IV. war erst Prinzregent und 1820 bis 1830 König von Hannover

Um die Dynastie des hannoverischen Königshauses der Welfen geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Denn durch die Erbfolge seiner Mutter, Sophie von der Pfalz, eine Enkelin des englischen Königs Jakob I. aus dem Hause Stuart, fiel der englische Königsthron 1714 an Georg I. Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg. Er stammt aus dem Adelshaus der Welfen. Für fünf Generationen regierte nun das kurfürstliche Haus Hannover gleichzeitig auch Großbritannien und Irland.

König Georg IV. von Hannover (1820-1830)

1815 erhoben die Welfen ihr Kurfürstentum, dem auf dem Wiener Kongress auch Lingen und das Emsland, Osnabrück und Ostfriesland zugesprochen wurden, zum Königreich Hannover. Die Region wurde damit quasi ein Teil des britischen Weltreiches auf deutschem Boden.

Der erste König von Hannover, Georg III. von England (1738-1820) war bereits schwer erkrankt, als das neue Königreich entstand. Als Prinzregent vertrat ihn sein ältester Sohn, der von 1820 bis 1830 als König Georg IV. Hannover regierte. Sein Wappen erscheint auf den Schleusen des „Ems-Canals“, der in seiner Amtszeit gebaut wurde.

König Ernst August von Hannover (1837.1851)

Nach Georgs Tod bestieg 1830 sein Bruder William IV den Thron von Großbritannien und Hannover. Als William 1837 verstarb, wurde die Personalunion aufgelöst. Ernst August, ein Sohn Georg III., wurde im Alter von 66 Jahren König von Hannover.

Den Thron von Großbritannien nahm damals die junge Queen Victoria ein und sie wäre auch Königin von Hannover geworden. Aber dort galt von alters her die männliche Thronfolge und so war Victoria von der Regentschaft ausgeschlossen.

Ernst August regierte Hannover von 1837 bis 1851. Er war ein erzkonservativer Herrscher, antiliberal und antikatholisch eingestellt. Im Bürgertum war er äußerst unbeliebt, verstand es aber, sich mit zahlreichen Reisen durch das Königreich in der Landbevölkerung eine gewisse Popularität zu verschaffen. Das berühmte Reiterstandbild dieses Welfen steht vor dem Hauptbahnhof in Hannover.

König Georg V. von Hannover (1851-1866)

Nach seinem Tod 1851 folgte ihm sein Sohn Georg V. als letzter König von Hannover den Thron. Er litt an einem Augenleiden und ging als „blinder König“ in die Geschichte in. Auch er war sehr konservativ eingestellt und hob 1855 kurzerhand die Verfassung auf, die die Bevölkerung seinem Vorgänger mühsam abgerungen hatte.

Im Deutsch-österreichischen Krieg von 1866 stand Hannover auf der Seite Österreichs. Das hannoverische Militär siegte zwar in der Schlacht bei Langensalza in Thüringen, wurde aber von preußischen Truppen eingeschlossen und musste kapitulieren. Preußen annektierte das Königreich und machte daraus die preußische Provinz Hannover. König Georg V. ging mit seiner Familie nach Österreich in das Exil.