Königsbesuche aus dem Welfenhaus

Lingener Geschichte im Bild (59)

Die Familie des Königs von Hannover besuchte 1857 die Stadt Lingen

Um die Beziehungen Lingens zum Welfenhaus geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum. Im Mittelpunkt stehen dabei die Königsbesuche im hannoverischen Amtssitz und Verwaltungszentrum Lingen.

König Ernst August besucht 1837 die Stadt Lingen

Als Ernst August im Juni 1837 von London aus als neuer König nach Hannover eilte, um dort den Königsthron einzunehmen, führte seine Route vom Grenzübergang bei Bentheim zunächst nach Lingen und von dort weiter nach Osnabrück. Eisenbahnen und Telegrafie gab es damals im Königreich Hannover noch nicht und so hatte man nur eine ungefähre Vorstellung, wann der Monarch die Stadt an der Ems erreichen würde. An dem angekündigten Sonntag wartete man vergeblich und auch der Montag verstrich, ohne dass die königliche Kutsche in Lingen einfuhr. Am Abend verbreitete sich das Gerücht, der König nähere sich der Stadt. Die vorbereitete Illumination der Straßen und Häuser mit Kerzen und Lichtern wurde entzündet, aber der Monarch erschien immer noch nicht. Den Dienstag vertrieb man sich mit der Errichtung von weiteren Ehrenbögen, bis der König am Abend endlich eintraf. Die Stadt war voller Menschen und auf dem Marktplatz hatten Ehrenformationen Aufstellung genommen.

Nach einer kurzen Ansprache nahm der König ein Abendessen ein und zwei Stunden später reiste er bereits weiter. „Der König war groß und stark, schielte etwas und hatte weißes Haar“ beschrieb damals ein Schüler den schon 66 Jahren alten Thronfolger, der immerhin noch 14 Jahre regierte.

Sein Nachfolger, der als Jugendlicher erblindete König Georg V., besuchte dreimal die Stadt Lingen. Mittlerweile erleichterte die „Hannoversche Westbahn“ von Hannover über Osnabrück und Rheine nach Emden die Reisen im Königreich.

Beim ersten Besuch 1857 war die ganze königliche Familie mit Königin Marie, Kronprinz Ernst August sowie den Prinzessinnen Friederike und Mary angereist. Direktor Nöldecke begrüßte den König als Schutzherrn des Gymnasiums, wies aber gleichzeitig auf den mangelhaften Zustand der Schulgebäude ihn. Tatsächlich erteilte der König seinem Hofbaumeister Tramm bald darauf den Auftrag für einen Schulneubau in Lingen.

Der ‚blinde König‘ Georg V. von Hannover

Zur Eröffnung des neuen Gymnasiums, das damals nach ihm benannt wurde, reist Georg V. am 12. Oktober 1859 persönlich an. Die Schüler und Lehrer bildeten eine Ehrenformation, während die Kutschen den König und seine Begleitung unter Glockengeläut vom Bahnhof abholten. Auf die Schlüsselübergabe folgte ein Festakt in der neuen Aula. Bei seiner Rede ging der Monarch auf die historischen Verbindungen zwischen dem Welfenhaus und Lingen ein und reiste noch am Abend nach Hannover zurück.

Die königliche Familie besuchte in jedem Sommer das Seebad Norderney. Auf der Rückreise im September 1861 machte der königliche Eisenbahnzug einen Zwischenstopp auf dem Bahnhof in Lingen. Dort erteilte der König mehrere kurze Audienzen, unter anderem für den damaligen Bürgermeister Horkel. Auf dem Bahnhof hatte sich trotz Regens eine große Menschenmenge versammelt, die den König nach einer Viertelstunde schon wieder verabschiedete.

Fünf Jahre später annektierte Preußen das Königreich Hannover und der König ging mit seiner Familie ins Exil nach Österreich.