Pleus – Auf der Suche nach einem spannenden Familiennamen

Wer sich mit Familiennamen beschäftigt, merkt schnell: Manche Namen geben ihre Geschichte bereitwillig preis, andere dagegen machen es spannend. Pleus gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Der Name ist selten, dafür aber vielgestaltig überliefert – und gerade deshalb besonders reizvoll für eine historische Spurensuche.

Ein Name mit vielen Gesichtern

In historischen Quellen begegnet uns der Name Pleus keineswegs einheitlich. Neben der heutigen Schreibweise finden sich Varianten wie Pleuß, Plois oder Ploys. Diese Unterschiede sind kein Zufall: Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit gab es keine feste Rechtschreibung. Namen wurden so notiert, wie man sie hörte – abhängig von Dialekt, Region und Schreiber.

Gerade diese Vielfalt an Formen erschwert zwar die Recherche, liefert aber zugleich wertvolle Hinweise auf Alter und Verbreitung des Namens.

Frühe Spuren in Nordwestdeutschland

Die ältesten bekannten Belege führen uns weit zurück:

  • 1322 wird ein Gerhard Ploys in Ostwestfalen-Lippe erwähnt.
  • 1506 taucht im Kirchspiel Bersenbrück (heute Landkreis Osnabrück) der Eintrag Ployses Erbe auf.

Diese Hinweise zeigen: Der Name Pleus war bereits früh in einem größeren Raum zwischen Westfalen und dem heutigen Niedersachsen verbreitet.

Was steckt hinter dem Namen Pleus?

Besonders spannend ist die sprachliche Herkunft: Im Namen Pleus steckt nämlich die niederdeutsche Form des Rufnamens Blasius. Damit gehört Pleus zu einer großen Gruppe sogenannter Kurz- oder Koseformen, die aus Vornamen entstanden sind.

Vergleichbare Beispiele sind:

  • Thies / Theis < Matthias
  • Jans < Johannes
  • Claus < Nikolaus

Der namengebende heilige Blasius war ein frühchristlicher Bischof von Sebaste (heute Sivas in der Türkei), der im frühen 4. Jahrhundert während der Christenverfolgungen im Römischen Reich als Märtyrer starb. Er wird in der katholischen wie auch in der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt und zählt zu den Vierzehn Nothelfern. Sein Gedenktag ist in der katholischen Kirche der 3. Februar, in den orthodoxen Kirchen der 11. Februar. Man kennt ihn heute in katholischen Regionen noch wegen des in seinem Namen gespendeten speziellen Segens. Bereits in einer im 6. Jahrhundert verfassten Sammlung medizinischer Texte findet sich dieser als „Mittel“ gegen Halskrankheiten und verschluckte Fischgräten. Zudem gilt er als Schutzheiliger der Ärzte sowie zahlreicher Handwerks- und Berufsgruppen, darunter Weber, Schneider, Wollhändler, Wachszieher, Gerber und Blasmusiker. Zudem wird er als Vieh- und Wetterpatron verehrt. Der Rufname Blasius geht auf griechisch basileus ‚König‘ zurück.

Nach Nordwestdeutschland kam die Verehrung des Heiligen im 11. Jahrhundert (um 1040) mit Reliquien, die Bischof Meinwerk von Paderborn geschenkt bekam. So ist der Schwerpunkt des Familiennamens Ploys, Plois, Pleus in Ostwestfalen zu erklären. Doch auch Bischof Benno II. von Osnabrück (+ 1088) hatte Reliquien des Blasius, mit denen er 1070 die Kirche in Iburg (heute Bad Iburg) bewidmete. Im Bistum Münster stiftete Bischof Burchard von Holte (+ 1118) bei der Stiftskirche St. Mauritz vor der Stadt eine Blasius-Kapelle. Die Verehrung und damit die Verbreitung des Rufnamens Blasius ist also in Nordwestdeutschland seit dem 11. Jahrhundert zu belegen.

Pleus ist also kein Berufs- oder Herkunftsname, sondern ein patronymischer Familienname – er geht auf einen Vornamen zurück, der im Niederdeutschen verkürzt und alltagssprachlich gebraucht wurde.

Dass es sich dabei wirklich um einen Rufnamen handelt, lässt sich durch eine Notiz aus Münster belegen. Noch 1813 wird hier ein Kaufmann namens Ploysius Perger genannt. Trennt man die lateinische Endung –ius ab, ist man beim Rufnamen Ploys, Plois, Pleus – ein Familienname mit „königlichem“ Hintergrund!