Der Krieg von 1866

Lingener Geschichte im Bild (60)

In der Schlacht bei Langensalza besiegte die Hannoversche Armee die preußischen Truppen, musste aber wenige Tage späte wegen hoher Verluste und mangel an Nachschub kapitulieren

Über das Ende des Königsreichs Hannover und die erneute Zugehörigkeit Lingens zu Preußen ab 1866 berichtet der heutige Beitrag in der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum. Für die weitere Entwicklung Lingens war dieser Wechsel von großer Bedeutung. Das Münsterland und das Ruhrgebiet lagen fortan nicht mehr im feindlichen Ausland, sondern wurden benachbarte Wirtschaftsräume.

1865 gehörte Lingen 50 Jahre zum Königreich Hannover

1865 feierte man in Lingen die 50jährige Zugehörigkeit zum Königreich Hannover. Mit der Eröffnung der „Hannoverschen Westbahn“ 1856 hatte die Industrialisierung der Stadt begonnen und Lingen bildeten den Verwaltungsmittelpunkt des „Hannoverschen Emslandes“.

Deutschland bestand damals noch aus einer Vielzahl von Kleinstaaten, dem „Deutschen Bund“. Österreich und Preußen beanspruchten beide die Führungsposition und sammelten Verbündete. Österreich betrachtete sich als deutsche Präsidialmacht und wollte diese Stellung behaupten. Preußen hingegen plante einen Bundesstaat ohne eine Sonderstellung Österreichs. Bismarck stellte hierzu Anfang Juni 1866 den Mitgliedstaaten einen Entwurf vor. Als preußische Truppen bald darauf in das von Österreich verwaltete Holstein einmarschierten, kam es zum Krieg.

König Georg von Hannover richtete sich über die Presse an sein Volk

Das Königreich Hannover schlug sich auf die Seite Österreichs. In Lingen beobachtete man gespannt das Kriegsgeschehen, über das im Lingener Wochenblatt laufend berichtet wurde. Am 21. Juni erschien ein Aufruf König Georgs V. „An mein getreues Volk“, in dem er über den Kriegsbeginn und seine Flucht aus Hannover zur Armee nach Göttingen berichtete. Er forderte sein Volk zur Treue auf.

Preußische Truppen aus Minden und Hamburg wurden am 27. Juni von der Hannoverschen Armee bei Langensalza in Thüringen geschlagen. Die Hannoveraner erlitten aber hohe Verluste, waren vom Nachschub abgeschnitten und weitere preußische Truppen rückten heran. So mussten sie am 29. Juni kapitulieren. Die endgültige Entscheidung des Krieges fiel am 3. Juli in der Schlacht bei Königgrätz, wo das preußische Heer die Österreicher besiegte.

Preußen ergreift Besitz vom Königreich Hannover

Preußen annektierte am 1. Oktober die Bundesstaaten Nassau und Hessen-Kassel, die Freie Stadt Frankfurt und das Königreich Hannover. Damit war die Vormachtstellung Preußens in Deutschland offenkundig und Österreich wurde aus der deutschen Politik immer mehr verdrängt.

König Georg V. und Kronprinz Ernst August gingen nach Wien ins Exil

König Georg von Hannover ging nach Wien ins Exil, wohin ihm später auch seine Familie folgte. Er kehrte nie mehr in sein Land zurück und starb 1878 in Paris. Bis an sein Lebensende hatte er sich geweigerte, die Annektion seines Königreiches durch Preußen anzuerkennen.

Viele Soldaten aus dem Emsland dienten im Hannoverschen Militär

Lingen gehörte nun erneut zum Königreich Preußen, aber viele Untertanen standen treu zum welfischen Königshaus. Im hannoverschen Militär hatten viele Soldaten aus dem Emsland gedient und wollten nicht in das preußische Militär eintreten. Manche junge Männer zogen in die Nachbarländer, um der drohenden Wehrpflicht zu entgehen. Einige wanderten aus diesem Grund sogar nach Amerika aus, darunter Karl Kobert aus der alten Posthalterei am Markt.

Der Kronprinz beweint den Tod seines Vaters 1878