Die Revolution von 1918 und die Anfänge der Demokratie

Lingener Geschichte im Bild (67)

Demonstration auf dem Lingener Marktplatz Ende 1918

Um das Ende des Ersten Weltkriegs und die Ereignisse in den ersten Nachkriegsjahren geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. 1918 war der Krieg für Deutschland endgültig verloren. Der Kaiser dankte ab und ging ins Exil in die Niederlande. Aus dem Kaiserreich wurde eine Republik. Doch die Folgen des Krieges wie Staatsbankrott, Wirtschaftskrise und Hyperinflation überschatteten auch in Lingen noch viele Jahre den Alltag der Menschen.

Der Lingener Arbeiter- und Soldatenrat

Im November 1918 übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat die Verwaltung von Stadt und Landkreis Lingen. Die Arbeiter des Ausbesserungswerkes waren daran maßgeblich beteiligt, aber es überwogen die konservativen Kräfte. Wichtigste Aufgabe war die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln. Die Ernährungslage verschlechterte sich so rapide, dass es im Frühjahr 1919 zu Hungerdemonstrationen auf dem Marktplatz kam. Durch Absprachen mit den Landgemeinden konnte die größte Not beseitigt werden.

Hungerdemonstration auf dem Marktplatz 1919

Der Schock über den verlorenen Krieg saß tief. Der Tod von Millionen Soldaten hatte sich als sinnlos erwiesen und die Wirtschaft lag am Boden. Viele Familien hatten ihr Geld in Kriegsanleihen investiert, die nach dem Sieg aus Reparationszahlungen der Kriegsgegner zurückgezahlt werden sollten. Doch nun war klar, dass daraus nichts würde. Die hohe Staatsverschuldung führte dann 1923 zur Hyperinflation, bei der viele Sparer ihr Geldvermögen verloren. Breite Bevölkerungsschichten fielen in Armut.

Hungerdemonstration auf dem Marktplatz 1919

Beim wichtigsten Arbeitgeber der Stadt, dem Eisenbahnwerk, herrschte nach dem Krieg zunächst Hochbetrieb. Viele Wartungen und Reparaturen waren kriegsbedingt überfällig und mussten nachgeholt werden. Außerdem forderten die Siegermächte zur Wiedergutmachung Lokomotiven und Waggons von Deutschland, die sich vertragsgemäß in bestem Zustand befinden mussten. Viele auswärtige Eisenbahner wurden daher zur Unterstützung der Stammbelegschaft nach Lingen versetzt. Sie suchten händeringend nach Unterkünften und es herrschte große Wohnungsnot. Daher wurden im Strootgebiet neue Mietshäuser und Arbeitersiedlungen errichtet. Doch nach ein paar Jahren war der kriegsbedingte Instandsetzungsrückstand abgearbeitet und aufgrund der schlechten Wirtschaftslage ging das Reparaturaufkommen auch bei der Reichsbahn stark zurück. Es kam zu nie gekannten Entlassungswellen beim Eisenbahnwerk.

Politisch dominierte in Lingen die Katholische Zentrumspartei. Die Sozialdemokraten hatten viele Anhänger unter den Arbeitern des Ausbesserungswerkes. 1921 wurde der Polizeikommissar Hermann Gilles von der Zentrumspartei zum Bürgermeister gewählt. Seine Amtszeit war geprägt durch zahlreiche Krisen in Deutschland und Gilles bemühte sich, die Folgen für die Lingener Bevölkerung Lingen gering zu halten.