Lingener Geschichte im Bild (36)

Heute geht es in der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum einmal um ein ganz spezielles Thema, nämlich die Postgeschichte. Die Post war in früheren Jahrhunderten ganz anders organisiert als heute. Viele private Postlinien ergänzten die Kaiserliche Thurn- und Taxis-Post und das kaiserliche Postprivileg wurde längst nicht überall anerkannt.

Seit der Besetzung Lingens durch die Oranier führte die reitende Botenpost von Amsterdam nach Hamburg, eine direkte Verbindung der beiden wichtigen Börsenplätze, nicht mehr über Groningen und Ostfriesland, sondern über Lingen und Bremen. In Amsterdam gab es weiterleitende Postverbindungen nach England, Frankreich, Spanien und Portugal. Alle Briefsendungen von dort über Amsterdam in Richtung Bremen und Hamburg liefen nun über Lingen.
Die reitenden Boten brauchten für die Strecke von Amsterdam bis Hamburg etwa dreieinhalb Tage. Betreiber der Postroute war nicht der Staat, sondern auf holländischer Seite einige reiche Amsterdamer Kaufmannsfamilien, die sogenannten Regenten. Die Hamburger Boten unterstanden der dortigen Börse.
Die Postboten kamen sich aus Richtung Amsterdam und Hamburg entgegen und tauschten in Lingen, dem Mittelpunkt der Strecke, ihre Postsäcke aus. 1659 wird berichtet, dass ein Hendrik van der Heyde die reitende Post mit einem Postillion organisierte, der zweimal wöchentlich zwischen Amsterdam und Lingen verkehrte. Auch die Münsterische Post sowie die Botenposten aus Emden und Osnabrück hatten in Lingen Anschluss an die Hamburger-Amsterdamer Postlinie.
Als Poststation in Lingen diente damals das 1655 neu erbaute Haus Burgstraße 7 (heute Goldschmiede Thünemann). Das stolze Giebelhaus mit einer markanten Steinfassade im niederländischen Baustil wurde 1975 von der Eigentümerfamilie Wichmann umgebaut.

Dabei kam eine Deckenmalerei mit einer Inschrift zum Vorschein. Das Schriftband war kreisförmig um eine Rose im Mittelpunkt angeordnet. Der spiegelbildlich aufgemalte Text lautet: „Alls was wir Regen und Betreiben, das soll unter dieser Blume bleiben“. Mit der Blume war die Rose im Mittelpunkt des Bildes gemeint und „unter der Rose sagen“ bedeutete früher „geheim halten“. Die Inschrift bezog sich also vermutlich auf das Briefgeheimnis.

Das Postmeisteramt der holländischen Post in Lingen lag seit 1676 in den Händen der Familie Zur Eick, deren Wappen noch heute über dem Seiteneingang des Hauses Burgstraße 7 zu sehen ist.
Die private „Holländische Post“, die auch „Hamburg-Amsterdamer Börsenpost“ genannt wurde, war damals die schnellste und am besten organisierte Postlinie in Nordwestdeutschland. Die Stadt Lingen hatte dadurch exzellente Postverbindungen zu zwei Handelsmetropolen und auch sonst mancherlei Vorteil von der Mittelpunktstation der Strecke.