Lingener Geschichte im Bild (53)

Warum Lingen heute nicht mehr zu Westfalen, sondern zu Niedersachsen gehört, erzählt die aktuelle Folge der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum. Beschlossen wurde dies 1815 auf dem Wiener Kongress und die Folgen sind über 200 Jahre später noch wirksam.

Von alters her bildeten Lingen und das Emsland einen Teil Westfalens. Seit 1702 gehörte Lingen dann über hundert Jahre lang zum Königreich Preußen, bis die Franzosen 1806 das Emsland besetzten und eine eigene Verwaltungsgliederung einführten. Doch nach ein paar Jahren mussten sie sich wieder zurückziehen und der preußische König übernahm erneut die Landesherrschaft.
Am 13. November 1813 richtete Preußen eine Botschaft an die Bewohner der Grafschaft Lingen, die mit pathetischen Worten begann: „Preußen! Der glückliche Tag ist erschienen, der Euch Eurem rechtmäßigen Herrscher zurückgibt und Euch mit den Brüdern wieder vereint.“ Darauf folgte die Proklamation der Wiederinbesitznahme und am Ende der Verlautbarung heißt es: „Männer von Lingen! Zeigt Euch jetzt werth der Freiheit, welche Eure Väter mit ihrem Blute bewahrt, und auch Euch vererbt haben, zeigt Euch werth des Ruhmes Preußen zu sein. Mit Stolz wollen wir Euch in unseren Reihen als Waffengefährten begrüßen, und uns des Ruhmes freuen, den Eure Waffen im Kampfe für eine gerechte Sache und die Freiheit von Deutschland erwerben werden.“
Dass die Lingener Untertanen von diesen Worten innerlich stark berührt wurden, darf bezweifelt werden, denn mit der Rückkehr der Preußen drohte wieder die allgemeine Wehrpflicht. Und schon wenige Monate später erwiesen sich die pathetischen Worte der preußischen Propaganda als hohles Geschwätz. Als nämlich die Großmächte 1814 über die zukünftige Aufteilung Europas verhandelten, war Preußen überraschend bereit, die Stadt und die Niedergrafschaft Lingen an England abzutreten. Dies wurde auf dem Wiener Kongress bestätigt und so kam Lingen mit dem übrigen Emsland, der Grafschaft Bentheim und Osnabrück an das neu gebildete Königreich Hannover, das vom englischen Königshaus regiert wurde.
Am 28. Oktober 1815 erfolgte die offizielle Besitzergreifung durch den Prinzregenten, den späteren König Georg IV. Er zeigte sich zufrieden darüber, dass er mit Lingen ein Gebiet erworben habe, das schon sein Vorgänger Wilhelm III. von Oranien als König von England regiert habe. Hannoverische Beamte übernahmen die Verwaltung in Lingen.
Aus dem Königreich Hannover wurde 1866 eine preußische Provinz und 1946 das Bundesland Niedersachsen. Spätere Versucher der preußischen Provinz Westfalen, Lingen und das Emsland wieder in ihr Gebiet einzugliedern, trafen hier auf wenig Gegenliebe.