Lingener Geschichte im Bild (62)

Um ein weiteres kriegerisches Ereignis geht es im heutigen Beitrag der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier: den deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Er endete mit einem Sieg Deutschlands über Frankreich und führte zur Wiederbegründung des Deutschen Kaiserreiches.

Wieder einmal ging es in diesem Krieg um einen europäischen Königsthron, als Bismarck den Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen drängte, sich um die spanische Thronfolge zu bewerben. Dadurch sah sich nämlich Frankreich bedroht und erklärte im Juli 1870 Preußen den Krieg. Die süddeutschen Bundesstaaten traten an der Seite Preußens in den Krieg ein, während die übrigen europäischen Mächte neutral blieben. Nun mussten die vormaligen Hannoveraner aus dem Emsland für das preußische Heer in den Krieg ziehen und ihr Leben riskieren.
Innerhalb weniger Wochen waren die Franzosen besiegt und nach der Schlacht von Sedan in Nordfrankreich geriet Kaiser Napoleon III. in die Gefangenschaft des Königs von Preußen. Paris wurde von deutschen Truppen besetzt und Anfang 1871 unterzeichnete Frankreich einen Friedenvertrag. Es musste die Provinzen Elsass und Lothringen an Deutschland abtreten und fünf Milliarden Franc als Entschädigung an das Deutsche Reich zahlen.

Bereits zur Jahreswende 1870/71 hatten die deutschen Reichsfürsten das Deutsche Kaiserreich als deutschen Nationalstaat mit einer bundesstaatlichen Verfassung neu gegründet. Österreich wurde daran nicht beteiligt und damit war die Führungsrolle Preußens festgelegt. Am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal des Schlosses Versailles bei Paris der preußische König Wilhelm I. zum deutschen Kaiser proklamiert.
Durch den Einsatz moderner Waffen waren die Verluste im Krieg von 1870/71 auf beiden Seiten sehr hoch. Fast 200.000 Soldaten wurden getötet und viele schwer verwundet. In Deutschland sammelten sich die siegreichen Kriegsteilnehmer in Veteranenverbänden und Kriegervereinen. Diese bildeten eine wesentliche gesellschaftliche Stütze für den Militarismus im Kaiserreich.

Der „Tag von Sedan“ (2. September) wurde zum Nationalfeiertag erklärt. Überall entstanden „Kriegerdenkmäler“ zur Erinnerung an die Kriegsopfer des jeweiligen Ortes. Später wurden auch Bismarck-Denkmäler zur Erinnerung an den „Reichsgründer“ aufgestellt.

In Lingen teilten nicht alle die Begeisterung für den preußischen Staat und das Kaiserhaus. Die Treue zum abgesetzten Welfenhaus und Bismarcks „Kulturkampf“ gegen die katholische Kirche bildeten die Ursachen. War schon die Bronzefigur für das „Kriegerehrenmal“ auf dem Lingener Marktplatz 1893 recht klein ausgefallen, so reicht es 1899 beim geplanten „Bismarckdenkmal“ mangels Spenden am Ende nur für eine Bronzeplakette, die auf einen großen Findling am Mühlentor montiert wurde. Das „Kriegerdenkmal“ wurde 1937 aus Verkehrsgründen auf den Pferdemarkt umgesetzt und bei den Straßenkämpfen 1945 restlos zerstört.