Lingener Geschichte im Bild (44)

Erneut geht es in der aktuellen Folge der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum um kriegerische Ereignisse in Lingen, diesmal im „Siebenjährigen Krieg“. In diesen bewaffneten Konflikt in den Jahren 1756 bis 1763 waren praktisch alle europäischen Großmächte und ihre Kolonien in verschiedenen Allianzen verwickelt. Die militärischen Aktionen konnte auch für Lingen nicht ohne Folgen bleiben.

Preußen, Großbritannien und Hannover hatten sich verbündet gegen die Franzosen, die mit Österreich, Russland, Sachsen und vielen weiteren Ländern koalierten. Lingen gehörte zwar im 18. Jahrhundert zum Königreich Preußen, lag aber weit abseits von den übrigen preußischen Gebieten. Die nächstgelegenen preußischen Festungen waren Wesel am Niederrhein und Minden an der Weser. Obwohl das Emsland kein direkter Kriegsschauplatz war, machte sich der Krieg auch hier rasch bemerkbar, denn immer wieder besetzten französische Truppen die unbefestigten preußischen Verwaltungssitz Lingen.

Im April 1757 stießen die Franzosen vom Rhein aus überraschend bis in die Stadt an der Ems vor, nahmen Geiseln und erpressten eine Kriegssteuer. Im Sommer des gleichen Jahres forderten sie hohe Lieferungen an Stroh, Heu und Hafer. Aus der geplanten Winterkontribution wurde nichts, denn nach der Schlacht an der Roßbach zogen die Besatzer sich rasch zurück. Anfang April 1758 fand in Lingen eine Dankesfeier für die Befreiung von den Franzosen und Österreichern statt, bei der Professor Stosch von der Hohen Schule die Dankesrede hielt. Doch man hatte sich zu früh gefreut.

Im Sommer 1759 erschienen die Franzosen erneut in Lingen. Sie forderten Essen und Trinken für die Soldaten sowie Futter für die Pferde. Doch nach der Niederlage in der Schlacht bei Minden mussten sie abermals aus Lingen abziehen. 1760 forderten die Franzosen die rückständigen Kriegssteuern seit 1757 und nahmen vier Geiseln mit nach Wesel, darunter den Bürgermeister van Dyck. Die Forderungen wurden immer unverschämter, bis die französischen Truppen unter Mitnahme weiterer Geiseln aus Lingen abzogen.

Noch schlimmer wurde die Lage 1761. Erneuert forderten die Franzosen die rückständigen Kriegssteuern und quartierten 400 Mann in Lingen ein. Die Soldaten hausten in den Bürgerhäusern ohne Rücksicht und plünderten in den Dörfern und Bauerschaften. Erst durch Bestechung der Offiziere gelang es, die Ordnung wiederherzustellen. Die Stadt musste 10.000 Taler Kontribution leisten und auch den umliegenden Dörfern wurden hohe Geldsummer abgepresst.
Mit dem Vordringen der alliierten Truppen zogen sich die Franzosen schließlich nach Wesel zurück und kehrten bis zum Ende des Krieges auch nicht mehr nach Lingen zurück.