Eine Hintergrundgeschichte
Von Ulrich Wiethaup, Lingen
„1547 – Lingen geht in den Besitz von Maximilian von Büren“. Diese Feststellung bleibt oft unkommentiert. Wer war Max von Büren? Warum nahm er Lingen in Besitz? Warum war es ein kurzes Gastspiel?

Porträt Maxililians von Büren (1500-1548) zu Pferd. Holzschnitt aus den frühen 1540er Jahren. Emslandmuseum Lingen.
Die Stadt Buren und die gleichnamige Grafschaft befinden sich in den Niederlanden. Deshalb spricht man es „Büren“. Unser Protagonist hieß eigentlich Maximilian von Egmond, Graf von Buren, Leerdam und Lingen, Baron und Herr von Eindhoven, IJsselstein, Jaarsveld, Sint-Maartensdijk und Cranendonck. Der um 1500 geborene Graf war außerdem Statthalter von Friesland, Groningen und Overijssel und höchster General der Niederlande. Sein Hauptwohnsitz war das „Kasteel Buren“, eine der größten Burgen der Niederlande. Wie auch sein Vater und sein Großvater war Max ein erfolgreicher Feldherr der Habsburger, er kämpfte u.a. gegen den Herzog von Geldern und gegen Frankreich.
Um im Heiligen Römischen Reich den Protestantismus zurückzudrängen und gegenüber den Reichsständen die kaiserliche Macht zu stärken, kämpfte Karl V. 1546/47 im „Schmalkaldischen Krieg“ gegen den „Schmalkaldischen Bund“, das Bündnis der protestantischen Landesfürsten und Städte. Hier vollbrachte Maximilian seine bedeutendste Leistung, als er das von ihm in den Niederlanden aufgestellte Heer im August und September 1546 von Aachen zum Kaiser in das Lager von Ingolstadt führte und damit die Kriegslage entscheidend wendete. Auf dem Rückmarsch konnte er noch Frankfurt am Main für den Kaiser gewinnen. Eine schon im Frühjahr 1547 auftretende Krankheit hielt ihn von weiteren Unternehmungen ab.

Konrad von Tecklenburg (1501-1557) im Jahr 1543. Emslandmuseum Lingen.
Während des Schmalkaldischen Krieges geriet Graf Konrad von Tecklenburg, obwohl nicht direkt an den Kämpfen mit seinen protestantischen Verbündeten beteiligt, in Opposition zum katholischen Kaiser, von dem er im November 1546 geächtet wurde. Karl V. erklärte auch Konrads gesamten Besitz für verlustig und übertrug ihn an Maximilian Egmond, Graf von Büren. Dieser sollte die gesamte Grafschaft Tecklenburg einnehmen, aber wohl aufgrund seiner Erkrankung entsandte er ein Heer unter Jobst von Croningen (Cruningen), der im Januar 1547 große Verwüstung im Tecklenburger Land hinterließ. Unter anderem setzte er Lengerich (bei Tecklenburg) in Brand. Konrad musste sich angesichts der Übermacht unterwerfen und schloss einen Kapitulationsvertrag mit dem Obersten Christoph von Wrisberg, der u.a. die Zahlung von 15.000 Talern beinhaltete. Der Tecklenburger Graf versuchte noch, zur Rettung seiner Grafschaft eine Begnadigung zu erreichen, aber der Kaiser wollte, dass Konrad nicht zu glimpflich davonkam und verwies ihn an den Grafen von Büren. Durch Vermittlung des Kölner Erzbischofs Adolf von Schaumburg und des Grafen Wilhelm von Nassau gelang es Konrad zwar, im Jahre 1548 einen Vertrag mit dem Grafen von Büren auszuhandeln und die Grafschaft Tecklenburg, die Exklave Schale sowie die Herrschaft Rheda zurück zu erhalten, aber die Stadt und Herrschaft Lingen musste er unwiderruflich abgeben, inklusive Ibbenbüren, Recke, Mettingen und Brochterbeck. Die Reformation zum lutherischen Glauben wurde sofort rückgängig gemacht und das vom Grafen Konrad beschlagnahmte Kirchenvermögen zurückerstattet. 1548 wurden die dem Tecklenburger abgenommenen Gebiete offiziell durch Karl V. an Max von Büren übergeben. Dieser verstarb jedoch krankheitsbedingt am 24. Dezember des gleichen Jahres. Deshalb war es nur ein kurzes Gastspiel.

Maximilian von Büren – Herr zu Lingen. Emslandmuseum Lingen.
Als Erbin hatte Max seine Tochter Anna bestimmt, die zu der Zeit gerade 15 Jahre alt war. Diese heiratete 1551 Wilhelm von Oranien. Der Kaiser wollte aber den Oranier nicht als Herrn von Lingen sehen und kaufte daher die Grafschaft für 120.000 Gulden zurück. Damit hatte die Bürener Herrschaft in Lingen lediglich 3 Jahre gedauert. Karl dankte 1555 ab und übergab Spanien und die Niederlande mit Lingen an seinen Sohn Phillip II., König von Spanien.