Lingener Geschichte im Bild (60)

Über eine der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der Stadt Lingen Lingen berichtet die heutige Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Denn am 1. Juni 1927 zog eine gewaltige Windhose, von den Niederlanden und durch die Grafschaft Bentheim kommend, über Schepsdorf und das Lingener Stadtzentrum hinweg in Richtung Oldenburg.


Aus heiterem Himmel fegte der Orkan über Schepsdorf und entlang der Lindenstraße auf das Stadtzentrum zu. Die schönen Baumreihen entlang der Lindenstraße wurden verwüstet. Innerhalb weniger Minuten zerstörte der Sturm zahlreiche Gebäude in der Innenstadt. Abertausende von Dachziegeln wirbelten durch die Luft und prasselten auf die Straßen und Gärten nieder. Zahlreiche Dächer wurden abgedeckt und ganze Dachstühle angehoben, etwa am Alten Rathaus und der Posthalterei am Markt. Durch herabstürzende Trümmerteile eines Nachbarhauses wurde das Eckhaus zur Gymnasialstraße schwer beschädigte. Einige kleine Wohnhäuser am Wall und auf dem Böhmerhof waren total zerstört und konnten nicht wieder aufgebaut werden.


Kaum hatten sich die Lingener aus ihren eilig aufgesuchten Unterschlüpfen wieder ins Freie gewagt, da erschienen schon bald die ersten Fotoreporter auf dem Marktplatz. Telefon und Funk sowie flotte Automobile hatten es möglich gemacht, dass die Journalisten fast schneller eintrafen als die Rettungskräfte. Schon am Tag darauf berichteten Zeitungen in ganz Deutschland in Text und Bild über die Wirbelsturmkatastrophe in Lingen. In den folgenden Wochen brachten dann mehrere Illustrierte umfangreiche Bildreportagen über das Sturmereignis im Emsland.


Die Lingener waren angesichts der Schäden zunächst entsetzt, doch dann machten sie aus der Not eine Tugend. Die Stadt ließ die spektakulärsten Fotos der zerstörten Straßenzüge als Ansichtskarten drucken und bot diese, mit einem kleinen Aufschlag zur Unterstützung der Opfer, zum Verkauf an. Mithilfe der vielen Bildreportagen gelangt es außerdem, trotz der schwierigen Zeitumstände staatliche Mittel für die am stärksten betroffenen Familien locker zu machen. Einige der eindrucksvollsten Fotografien stammen von einem örtlichen Fotografen, Gustav Klimmer, der sich 1922 an der Lookenstraße in Lingen niedergelassen hatte.


An den Wirbelsturm erinnert bis heute die Sturmstraße in Lingen, eine kleine Gasse in der Nähe des neuen Rathauses. Dort wurden 1927 mehrere Häuser total zerstört und man nutzte diese Gelegenheit zur Schaffung einer neuen Verbindung zwischen der Elisabethstraße und dem Wall. Auch auf einem der Geschichtsfenster im Historischen Rathaus wird an das Ereignis von 1927 erinnert.