Fest der Morgenröte oder Göttin Ostara?

Woher die Bezeichnung Ostern kommt

Bald feiern wir wieder das christliche Osterfest. Doch woher kommt eigentlich die Bezeichnung Ostern? Über ihre Herkunft wird oft viel Unsinn verbreitet. Da kann man zum Beispiel von einer germanischen Göttin Ostara lesen, der das Osterfest seinen Namen zu verdanken habe. Auch viele Osterberge werden dann wieder einmal nicht mit der Himmelsrichtung Osten erklärt, in der sie liegen, sondern ebenfalls auf eine Kultstätte für diese Göttin zurückgeführt.

Allerdings ist die Göttin Ostara, wenn auch eine sehr alte, trotzdem eine Erfindung. Populär wurde sie durch das Buch „Deutsche Mythologie“, das aus der Feder des Altertumsforschers Jacob Grimm stammt, den man heute zumeist nur noch wegen seiner bekannten Märchensammlung kennt, die er mit seinem Bruder Wilhelm herausgab. Die erste Auflage von Grimms Deutschen Mythologie erschien 1835, die zweite, erweiterte und deshalb zweibändige Auflage dann 1844. In diesem Werk versuchte Grimm, die Religion und Mythologie der Germanen unter anderem über Märchen, Rechtsaltertümer und Volksbräuche zu rekonstruieren.

Die Göttin ist eine Erfindung

Die Göttin Ostara ist allerdings nicht Grimms Einfall, sondern ihre Entstehung reicht schon über 1000 Jahre in die Vergangenheit zurück. In seiner Schrift „De temporum ratione“ (Über die Zeitrechnung) aus dem Jahr 725 erklärt der angelsächsische Mönch Beda Venerabilis (Beda der Ehrwürdige, † 735) den Monatsnamen „Eosturmonath“ (April) mit einer angeblichen angelsächsischen Göttin Eostre, von der er den Namen habe.

Beda in einem Kodex des 12. Jahrhunderts aus dem Kloster Engelberg in der Schweiz. http://www.e-codices.unifr.ch/de/bke/0047/1v

Allerdings ist das eine reine Erfindung Bedas, weil in dem Monatsnamen keine vorchristliche Göttin, sondern bereits die Bezeichnung des christlichen Auferstehungsfestes steckt. Denn Beda wendet dieses Verfahren noch ein weiteres Mal an und konstruiert aus dem Monatsnamen „Rhedmonath“ (März) ebenfalls eine vermeintliche Göttin Rheda, die sich aber wiederum nicht nachweisen lässt. Zudem wäre es schon sehr merkwürdig, wenn man das höchste Fest der Christenheit in den germanischen Sprachen nach einer heidnischen Göttin benannt hätte.

Jacob Grimm nun machte aus der angeblichen regionalen angelsächsischen Göttin Eostre eine gemeingermanische Licht- und Frühlingsgöttin Ostara, die ab 1835 ihren Siegeszug startete. Mittlerweile von der wissenschaftlichen Forschung ad acta gelegt, geistert die Ostara aber immer noch durch die Heimatliteratur und die Medien.

Der Name des Osterfestes ist also nicht auf eine vorchristliche Göttin zurückzuführen, sondern vielmehr eng mit dem Wort für die Himmelsrichtung Osten verwandt und geht auf eine Bezeichnung für die Morgenröte in den germanischen Sprachen zurück. In der Liturgie der christlichen Feier spielte diese eine herausragende Rolle, weil auf den Tagesanbruch der Zeitpunkt der Auferstehung Christi gesetzt wurde. Ostern benannte also ursprünglich als „Fest der Morgenröte“ den Auferstehungszeitpunkt Jesu Christi.