Lingener Geschichte im Bild (50)


Um ein seltsames Grabdenkmal auf dem Alten Friedhof in Form einer Pyramide geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum. Wir verraten, welcher ausländische Staatsmann hier im Jahre 1800 begraben wurde, warum er in Lingen starb und was das Ganze mit der Französischen Revolution zu tun hatte.

Im Winter 1795/96 eroberten die französischen Revolutionstruppen in einem Handstreich über die zugefrorenen holländischen Gewässer die Niederlande. Viele Holländer betrachteten die Revolutionäre als Befreier und gründeten mit Unterstützung der Franzosen die „Batavische Republik“. Der Statthalter Wilhelm V. von Oranien musste in einem Fischerboot nach England flüchten. Die Revolution hatte gesiegt.
Der oberste Beamte der Oranier, der sogenannte „Ratspensionär“ Laurens van der Spiegel, gab sein Amt ab, aber aus dem Versprechen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurde es nichts für ihn. Seine republikanischen Gegner, die sogenannten Patrioten, ließen ihn verhaften und machten ihm den Prozess. Nach drei Jahren Hausarrest ließ man ihn 1799 frei. Als van der Spiegel erfuhr, dass man ihn in eine Kolonie nach Südamerika verbannen wollte, ging er ins Exil in das Königreich Preußen. Dorthin war auch der niederländische Erbprinz, der spätere König Wilhelm I., geflüchtet.

Bald sammelten sich führende Anhänger der Oranier unweit der Grenze im preußischen Städtchen Lingen. Am 3. August 1799 traf der Erbprinz mit seinem Gefolge in sechs Kutschen in Lingen ein und am 22.August erreichte auch van der Spiegel die Stadt an der Ems. Mit Unterstützung mehrerer europäischer Monarchen wollten die Oranier die Batavische Republik stürzen. Man ging davon aus, dass große Teile der niederländischen Bevölkerung die Patrioten ablehnten und sich im Falle eines Aufstandes den Oraniern anschließen würden. Rasch wurde in Lingen ein Schattenkabinett gebildet, dass nach einem erfolgreichen Aufstand unter der Leitung van der Spiegels die Regierung in den Niederlanden übernehmen sollte.
Der Erbprinz landete mit einem Stoßtrupp in Den Helder, um Amsterdam einzunehmen, kam aber nur bis Alkmaar. Die erwartete Unterstützung aus der Bevölkerung blieb aus. Auch einen Angriff der Russen und Engländer von See warfen die Patrioten zurück. Die gesamte Operation scheiterte kläglich.

Van der Spiegel erlitt einen Herzinfarkt und starb am 7. Mai 1800 im Exil in Lingen. Er wurde auf eigenen Wunsch am Rande des Alten Friedhof unterhalb des Hügels in einem kleinen Fichtenwäldchen beigesetzt. Seine Tochter ließ ihm ein Grabdenkmal in Form einer kleinen Pyramide aus Sandstein errichten. Dies Denkmal steht dort noch heute und erinnert an eine vergessene Episode der Niederländischen und der Lingener Geschichte.