Lingener Geschichte im Bild (81)

Um den 1950 vom Deutschen Bundestag verabschiedeten Emslandplan geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Dieser Entwicklungsplan für die damals noch sehr rückständige Region an Ems und Vechte umfasste zunächst die Moorkultivierung, dann die Verbesserung der Landwirtschaft und schließlich den Wandel des Emslandes von einer rückständigen Agrarregion zu einem florierenden Wirtschaftsraum.

Eine entscheidende Rolle spielte dabei der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Lingen, Heinrich Eckstein. Der gebürtige Franke war Anfang der 30er-Jahre als Landwirt aus beruflichen Gründen in das Emsland gelangt und hatte sich hier rasch vernetzt. Zunächst arbeitete er auf dem Gut Beversundern beim Grafen von Galen und heiratete eine Tochter des Bauern Lübbers aus Altenlingen. Die junge Familie übernahm während dies Krieges die Verwaltung des Gutes Holsterfeld bei Salzbergen. Dem Nationalsozialismus stand Eckstein fern.
Nach Kriegsende gelang dem Christdemokraten eine steile politische Karriere, die ihn 1949 in den ersten Deutschen Bundestag brachte. Im Raum Emsland-Osnabrück hatte sich in der Nachkriegszeit parallel zur neu gegründeten CDU die hier bis 1933 dominierende katholische Zentrumspartei neu formiert und erreichte besonders im ländlichen Raum einen hohen Stimmenanteil. Eckstein gelangt es, viele der Zentrumswähler und sogar einige angesehene Zentrumspolitiker für die CDU zu gewinnen, was auch für die Wahlen auf Landes- und Bundesebene wichtig war.

In Bonn knüpfte Eckstein gemeinsam mit dem Grafschafter Bundestagsabgeordneten Dr. Ben Povel die politischen Kontakte, um in allen Lagern Unterstützer für den Emslandplan zu sammeln, der schließlich einstimmig verabschiedet wurde. Entscheidend waren dabei nicht zuletzt Ecksteins gute Kontakte zu Bundeskanzler Konrad Adenauer, der den Emslandplan zur Bundesangelegenheit erklärte. In diesem Zusammenhang dürften auch die Wahlerfolge Ecksteins gegenüber der Zentrumspartei eine Rolle gespielt haben.

Ebenso setzte sich Eckstein ein für den Bau der Erdölraffinerie in Holthausen bei Lingen, die erste große Industrieansiedlung im Emsland seit dem 19. Jahrhundert. Auch dabei nutzte er die guten Kontakte zu Adenauer und zum Bundeswirtschaftsministerium, um Holthausen gegen konkurrierende Standorte durchzusetzen und die nötigen Fördermittel zum Aufbau der Raffinerie zu beschaffen.
Bereits beim Antritt des Bundestagsmandates war Eckstein mit seiner Familie nach Lohmar bei Bonn verzogen. 1958 trat er nicht erneut für den Bundestag an, sondern gründete ein europaweit tätiges Unternehmen für den bargeldlosen Zahlungsverkehr an Tankstellen, die UTA. Firmensitz wurde Aschaffenburg und dorthin zog Eckstein auch mit seiner Familie. Es blieben die verwandtschaftlichen Kontakte, doch im politischen Leben des Emslandes spielte Eckstein seit 1958 keine Rolle mehr.