Die „Deutsche Schachtbau- und Tiefbohrgesellschaft“ in Lingen

Lingener Geschichte im Bild (79)

Das Betriebsgelände der ‚Schachtbau‘ an der Waldstraße (um 1960)

Die Erdölindustrie ist seit vielen Jahrzehnten ein wichtiger Zweig der emsländischen Wirtschaft. Maßgeblichen Anteil daran hatte die „Deutsche Schachtbau- und Tiefbohrgesellschaft“ (DST), die viele Jahre ihren Hauptsitz in Lingen hatte. Über die Suche nach Erdöl und die Anfänge der Ölförderung in der Region berichtet die 79. Folge der Serie „Lingener Geschichte im Bild“ von Emslandmuseum und EL-Kurier.

Bohrturm im Aufbau

Noch vom alten Firmensitz in Salzgitter aus entdeckte das Unternehmen Anfang der 1940er-Jahre bei Bohrungen im Erdölfeld Dalum nördlich von Lingen die ersten nutzbaren Ölvorkommen im Emsland. Wegen der schwierigen Wegeverhältnisse in den Moorgebieten konnten die Lagerstätten jedoch zunächst nicht in größerem Umfang erschlossen und genutzt werden.

Bohrarbeiten im Emslandmoor

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden rasch weitere Ölfelder im Emsland entdeckt und durch Bohrungen erschlossen. Das Emsland wurde zur neuen Erdölprovinz der jungen Bundesrepublik. Neue Straßen und sogar eine Ölpipeline wurden in das Moor hinein gebaut.

Das Betriebsgebäude an der Waldstraße

Die „Schachtbau“ verlegte 1948 ihren Firmensitz von Salzgitter nach Lingen und errichtete auf einem Gelände an der Waldstraße neue Werkstätten, Lagerhäuser und ein Verwaltungsgebäude. Alle Gebäude waren als Klinkerbauten im modernen Industriestil konzipiert.

Pause bei den Bohrarbeiten im Gelände

Von Lingen aus schwärmten die Bohrmannschaften zu ihren Einsatzorten aus, die hauptsächlich im Emsland lagen, aber auch in weiteren Regionen der Bundesrepublik, in denen man Erdöl und andere Bodenschätze vermutete. Die größten Ölfelder befanden sich jedoch direkt vor der Haustür im Emsland-Moor. Besonders das Gebiet um Rühlermoor konnte sich hinsichtlich Ausdehnung und Ölvorrat mit den damals bekannten ausländischen Lagerstätten durchaus messen.

Bohrmannschaft bei der Pause

In den 50er-Jahren zählte die Schachtbau rund 750 Mitarbeiter, die bundesweit eingesetzt waren. Sie mussten zum Teil lange Anfahrtswege zu ihren Arbeitsstätten in Kauf nehmen und häufig auch für längere Zeit auswärts arbeiten. Später kamen längere Auslandseinsätze hinzu. Dafür lockten gut bezahlte Arbeit und auch Werkswohnungen, die von der Schachtbau in großer Zahl errichtet wurden. Dies machte die Firma für viele Arbeitssuchende attraktiv.

Nach Dienstschluss

Die Bohrgeräte waren auf dem neuesten Stand der damaligen Technik. Sie wurden in Lingen zusammengestellt und gewartet. Die Fahrzeuge mussten auch für schwieriges Gelände und schwere Lasten geeignet sein. Bis Ende der 50er-Jahre wurden alleine im Emsland über 700 Bohrungen durchgeführt. Bald kamen auch Bohraufträge aus dem Ausland hinzu, etwa aus den österreichischen Alpen oder der Sahara, wo damals viele neue Ölfelder entdeckt wurden. Sie übertrafen die Lagerstätten in Deutschland bei weitem. Ende der 50er-Jahre war die Schachtbau bereits ein international tätiges Unternehmen mit dem Standort Lingen.

Auf dem Werksgelände in Lingen

Durch zahlreiche Umstrukturierungen kam die Schachtbau, ursprünglich ein Tochterunternehmen der Preussag, zunächst an die Firma Deilmann, dann 2008 an Gaz de France (GDF) Suez, später umbenannt in ENGIE, und schließlich 2018 an die Neptun Energy GmbH. 2020 wurde die Niederlassung in Lingen geschlossen und der Hauptsitz nach Hannover verlegt. Damit endete ein wichtiger Abschnitt Lingener Industriegeschichte.