Die Frerener Flurbezeichnung Schnappen
In Freren gibt es eine Straßenbezeichnung Am Schnappen. Wenige Meter südlich findet sich zudem ein Flurstück, das den Namen Auf dem Schnappen trägt? Doch was verbirgt sich dahinter?

Schaut man in Wörterbücher der niederdeutschen Sprache, findet man unter dem Stichwort Schnappe die Bedeutung ‚Rotz aus Nase und Mund‘. Das passt natürlich herzlich wenig zu einer Flurbezeichnung. Wer sich allerdings mit der regionalen Geschichte auskennt, denkt sofort an die Schnappenburg bei Barßel. Die erstmals 1400 genannte „Borch tor Snappen“ bei Barßel wurde Anfang des 14. Jahrhunderts von den Grafen von Tecklenburg zur Sicherung des äußersten Nordens ihres Herrschaftsgebietes gegenüber Ostfriesland bzw. zur Kontrolle des Nord-Süd-Verkehrs erbaut. Am 21. März 1394 wurde sie vom Bischof von Münster erobert und letztlich im Jahr 1400 offiziell vom Tecklenburger Grafen an diesen abgetreten. Als 1471 münsterische Kriegsknechte des „Meiers von der Snappen“ in einer Fehde mit Graf Gerd von Oldenburg das Ammerland überfielen, revanchierte sich der Oldenburger, indem er die „were und brugken bei der Schnappen“ zerstörte. Im ausgehenden 15. Jahrhundert wurde die Burg scheinbar nur noch als Zollstelle genutzt. Sie verfiel und war 1656 kaum noch zu erkennen.

Der Name der Schnappenburg wird hingegen nicht mit dem oben genannten Nasen- und Mundsekret in Verbindung gebracht – auch wenn der Tecklenburger Graf im Jahr 1400 bei dem Verlust seiner Festung „Rotz und Wasser“ geheult haben dürfte. Hier werden wir es eher mit einer Schnappe, einem Schlagbaum, den man auch als Schnappenschlag bezeichnete, oder einem Durchlass, an dem man jemanden schnappen konnte, zu tun haben.
Zu diesem Wortfeld gehört auch der Snaphahn als Bezeichnung für den Raubritter, Wegelagerer oder Räuber. Der Paderborner Familienname Snapencuc, der 1350 erscheint, oder Snaperkuk, der 1385 genannt wird, dürfte sich von der Tätigkeit ableiten, solche Plünderer zu erspähen, oder sich von einer so benannten Warte (niederdeutsch –kuk = hochdeutsch –guck, wie in Ausguck) herleiten.
Der Frerener Schnappen dürfte also auf einen früheren Schlagbaum hinweisen, der vielleicht den Durchlass durch eine Landwehr, gebildet aus Wall und Graben, verriegelte.