Lingen im Zweiten Weltkrieg

Lingener Geschichte im Bild (76)

NS-Bürgermeister Plesse verabschiedet am Bahnhof Lingener Soldaten

Um die Kriegsjahre 1939 bis 1945 geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Anfangs rückten die deutschen Truppen an allen Fronten rasch vor, doch zur Jahreswende 1942/1943 zeichnete sich mit der Niederlage von Stalingrad die Wende des Kriegs ab. Anfang April 1945 erreichten die Kampfhandlungen durch das Vorrücken der Alliierten dann auch Lingen.

Letzte große NS-Kundgebung auf dem Lingener Marktplatz im Herbst 1944

Mit dem Kriegsbeginn 1939 zogen die Truppen aus den Lingener Kasernen in den Kampfeinsatz. Lingener Soldaten aller Waffengattungen wurden zu ihren Einheiten einberufen. Sie kämpften und starben in den folgenden Jahren an allen Fronten Europas.

Nach dem Überfall auf Polen 1939 und der Besetzung der Nachbarländer im Westen im Mai 1940 glaubten viele an einen Sieg Deutschlands. Auch beim Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 rückten die Wehrmachtsverbände zunächst rasch vor. Doch der Vormarsch blieb in den Weiten Russlands und im russischen Winter stecken. Im folgenden Jahr 1942 rückte die deutschen Truppen zwar weiter vor, wurden aber in Stalingrad eingekesselt. Die Kapitulation der dortigen Armeeverbände, die genau mit dem 10. Jahrestag der Machtübernahme der Nationalsozialisten zusammenfiel, markierte die Wende des Krieges.

Mehrere hundert Eisenbahner aus dem Lingener Ausbesserungswerk wurden im November 1942 in die besetzte Ukraine abkommandiert, um dort die Lokreparatur für die Nachschubzüge an die Ostfront zu übernehmen. Doch schon im Sommer 1943 mussten sie vor der nun vorrückenden Roten Armee ausweichen und den Reparaturbetrieb mehrfach verlagern.

Immer mehr Lingener Männer wurden zum Kriegsdienst eingezogen. An ihre Stelle traten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus den von Deutschland besetzten Ländern. Nur durch ihren Einsatz konnten die Kriegswirtschaft aufrechterhalten werden.

1942 begannen die Luftangriffe der Alliierten auf Ziele in Deutschland. Lingen wurde erstmals getroffen. Besonders die Großangriffe im Februar und November 1944 richteten enorme Schäden an und forderten viele Todesopfer. Immer weniger Menschen glaubten noch an einen Sieg Deutschlands. Die Kriegspropaganda verbreitete unterdessen Siegeszuversicht. Wer öffentlich daran zweifelte, wurde hart bestraft.

Durchhaltepropaganda der NSDAP auf der Lingener Rathaustreppe im Herbst 1944

Nach der Landung in der Normandie im Juni 1944 rückte die Front von Westen her rasch auf die Niederlande und das Emsland vor. Durch den Bau einer Abwehrlinie, der „Emsstellung“ im Raum westlich der Ems, wollte man die Alliierten Truppen aufhalten. Tausende Zivilisten und Zwangsarbeiter kamen beim Stellungsbau zum Einsatz. Aber es gab am Ende keine Waffen und keine Truppen mehr, um diese Abwehrposten zu besetzen.

Britische Soldaten besetzen im April 1945 nach schweren Häuserkämpfen Lingen

Anfang April 1945 erreichten die englischen Panzer die Ems, eroberten die Wachendorfer Brücke und rückten über die Meppener Straße auf Lingen zu. Die Wehrmachtseinheiten leisteten erbitterte Gegenwehrund erst nach tagelangen schweren Häuserkämpfen war der Widerstand gebrochen. Eine britische Militäradministration übernahm die Verwaltung der Stadt, die NSDAP und alle NS-Organisationen wurden sofort aufgelöst.

Die Front rückte weiter nach Osten vor und am 8. Mai, einen Monat nach dem Kämpfen um Lingen, mussten die deutschen Truppen in ganz Europa kapitulieren.