Lingener Geschichte im Bild (82)

Den Aufbau der Erdölraffinerie Lingen zu Beginn der 50-er Jahre dokumentiert die neue Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Ab 1951 entstand die damals größte Industrieanlage im Emsland auf einem früheren Wald- und Dünengelände nördlich von Lingen in der damals noch selbständigen Gemeinde Holthausen.

Bereits im Kriegsjahr 1942 hatte man das Erdölfeld Lingen nördlich von Biene in der Nähe der Ems entdeckt. Bald kamen Ölfunde in der Grafschaft Bentheim und im Emslandmoor hinzu. Für das extrem schwere Rohöl aus diesen Feldern war eine technisch geeignete Raffinerie notwendig. Der ausgewählte Standort nördlich von Lingen hatte Anschluss an Straße, Schiene und Kanal.

Zunächst musste man 1951 den Wald roden und die Sanddünen mit Raupen und Baggern einplanieren. So entstand eine große ebene Sandfläche, auf der die zahlreichen Betriebsanlagen errichtet wurden: das Tanklager mit den Rohölbehältern, die „Betonstraße“ in Verlängerung der Waldstraße als Hauptzufahrt, eine eigene Tankstelle für die zahlreichen Baufahrzeuge und der Gleisanschluss für den Eisenbahntransport machten den Anfang. Am Dortmund-Ems-Kanal wurde ein eigener Ölhafen mit mehreren Liegeplätzen angelegt.

In relativ kurzer Zeit entstanden nun ein Kraftwerk mit Turbinenhaus und Generator, ein Kesselhaus mit einem Kühlturm, die Schaltzentrale, Magazin und Werkstatt, ein großes Umkleidegebäude mit Sozialräumen und das Verwaltungsgebäude. Gleichzeitig wurden auch zahlreiche Werkswohnhäuser an der Waldstraße errichtet.
Aufwendiger war der Bau der technischen Anlagen, die teilweise über hundert Meter hoch waren. 1952 wurden der sogenannte Houdryturm für die Crackanlage und ein Koker für die thermische Crackung fertiggestellt. Ein Jahr später ging die Anlage unter dem Namen „Gewerkschaft Erdöl-Raffinerie Emsland“ (GEE) mit fast 1000 Mitarbeitern in Betrieb.


Am 30. August 1953, kurz nach der Inbetriebnahme der Raffinerie, kam es zu einem tragischen Unglückfall, bei dem der große Crackturm in Brand geriet und sich durch die große Hitze verformte. Ein Ersatzbau der komplizierten Anlage hätte Jahre in Anspruch genommen. Glücklicherweise stellte sich aber heraus, dass der seitlich geneigte Turm nach dem Bau eines Stützgerüstes stabil stand und die Technik repariert werden konnte.

Anfangs wurde in Holthausen fast ausschließlich Rohöl aus den nahegelegenen Ölfeldern im Emsland verarbeitet. Mitte der 50er-Jahre kamen über zehn Prozent des Benzins in Deutschland aus der Raffinerie in Lingen.