1966 wird das neue Rathaus eröffnet

Lingener Geschichte im Bild (86)

Broschüre zur Eröffnung des Neues Rathauses 1966

An den Bau des Neues Rathauses in der Elisabeth erinnert die heute Folge der Geschichteserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Vor fast 60 Jahren, im Dezember 1966, wurde dieses Verwaltungsgebäude mit einer großen Feierstunde im neuen Ratssitzungssaal offiziell eingeweiht. Kein anderes Gebäude in Lingen verkörperte in vergleichbarer Weise die moderne Architektur und Bürokultur der 60er-Jahre. Es markiert aber auch den Einzug einer umfassenden Bürokratie in die kommunale Selbstverwaltung zu dieser Zeit.

Das alte und das neue Rathaus in einer Zeichnung von 1966

Das von den Architekten Prof. Carl Rotermund und Dr. Ing. W Sommer aus Bremen entworfene Verwaltungshochhaus war ganz im Stil des modernen Funktionalismus gehalten. Kubische Formen und gerade Linien bestimmten die Konturen des Gebäudes.

Die Bauarbeiten am Neuen Rathaus 1965

Eine Waschbetonverkleidung der Außenwände und gelbe Klinkerwände im Inneren sorgten für eine kalte Materialität mit nüchterner Ausstrahlung. 1965 begannen nach umfangreichen Vorplanungen die Bauarbeiten.

Der Neubau bei seiner Eröffnung 1966

Der parlamentarische Bereich mit dem Ratssitzungssaal war vom Bürogebäude absetzt und symbolisierte schon äußerlich die Polarität von Rat und Verwaltung. Der Ratssaal strahlte mit seinen konsequent modernen Formen eine gewisse Sterilität aus, wie sie dem Stil der klassischen Moderne entsprach. Statt Gemütlichkeit im Spiegel der Jahrhunderte bei den Sitzungen im historischen Rathaus herrschte hier eine nüchterne Atmosphäre.

Der neue Ratssitzungssaal

Statt drangvoller Enge wie im alten Verwaltungsgebäude am Markt gab es nun wohlgeordnete Bürokratie auf sechs Etagen hoch über den Dächern der Stadt. Die Treppenhäuser wurden zum zentralen Kommunikationszentrum der Verwaltung. Abstecher auf den Wochenmarkt oder zu einer Erfrischungspause waren jetzt mit Treppensteigen verbunden oder konnten im Aufzug zu unliebsamen Begegnungen mit den Vorgesetzten führen.

Das Dienstzimmer von Stadtdirektor Pelz

Auch das Büro von Stadtdirektors Pelz und das Zimmer von Bürgermeister Koop, der Sitzungsraum für die Ausschüsse und das Trauzimmer vermittelten einen aus heutiger Sicht sehr sachlich geprägten Einrichtungsstil, den man damals als modern empfand. Viel Licht und viel Fläche sollten den Aufenthalt angenehm gestalten. Hinzu kam das von einer gewissen Leichtigkeit geprägte Mobiliar.

Die Größe des Verwaltungsgebäudes wurde damals von vielen Zeitgenossen als überzogen betrachtet. Doch dem war nicht so. Ab 1969 erweiterte sich die Verwaltung durch die Eingemeindung von Laxten und Darme erheblich und als Anfang der 70er-Jahre weitere Ortsteile und neue Aufgaben für die Kommunen hinzukamen, platzte die Verwaltung im Neuen Rathaus schon bald wieder aus allen Nähten.

Das Rathaus von 1966 wurde 1995 vollständig entkernt

In den Jahren 1990 bis 1995 wurde das Rathaushaus durchgreifen renoviert, erweitert und umgestaltet. Dabei blieb der Kernbau von 1966 weitgehend bestehen, ist aber äußerlich kaum noch erkennbar. Die Erweiterung der Verwaltung lief weiter, denn auch nach 1995 mussten ganze Abteilungen in andere Gebäude in der Innenstadt ausgelagert werden. Und so blieb es trotz aller Versuche zur Entbürokratisierung bis heute