Lingener Geschichte im Bild (91)

Die Entstehung des Landkreises Emsland im Jahr 1977 und die Bedeutung für die Stadt Lingen stehen im Mittelpunkt der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Denn Lingen erhielt damals im größten Landkreis Niedersachsens den besonderen Status einer „großen selbständigen Stadt“.

Nach Abschluss der Gemeindereform 1974 wurde als nächste Aufgabe die Kreisreform in Angriff genommen. Die Zahl der Landkreis in Niedersachsen sollte dabei deutlich verringert werden, um mit größeren und schlagkräftigeren Verwaltungseinheiten die Aufgaben der Zukunft besser lösen zu können.

Der Landkreis Lingen erreichte in den 1970er Jahren durch seinen vergleichsweise hohen Grad der Industrialisierung und ein entsprechend hohes Steueraufkommen hervorragende Strukturdaten. Er war allerdings für einen zukünftigen Landkreis zu klein und hätte um mehrere Gemeinden aus einem der Nachbarkreis vergrößert werden müssen. Im Süden war dies durch die Grenze zu Nordrhein-Westfalen nicht möglich. Im Westen lag die Grafschaft Bentheim als geschlossenes Gebilde. Im Norden verhandelte der Kreis Meppen bereits mit dem Kreis Aschendorf-Hümmling über einen Zusammenschluss. So blieb die Hoffnung, bei der Auflösung des Kreises Bersenbrück die Stadt Fürstenau und weitere Gemeinden aus dem Osnabrücker Land für den Anschluss an Lingen zu gewinnen. Doch die Verhandlungen scheiterten und der Kreis Bersenbrück schloss sich dem Landkreis Osnabrück an. Damit war eine Vergrößerung des Kreises Lingen unmöglich geworden.

Es blieb jetzt nur noch die Option eines Zusammenschlusses mit einem der Nachbarkreise. Ein Großkreis Lingen-Grafschaft Bentheim wäre von der Lage und Größe her möglich gewesen, aber die Grafschaft wäre dort immer dominant gewesen und Nordhorn in jedem Fall Kreissitz geblieben. Ein Zusammenschluss mit dem Kreis Meppen war unmöglich, weil dieser sich mittlerweile bereits mit dem Kreis Aschendorf-Hümmling geeinigt hatte.

Im Laufe des Jahres 1976 zeichnete sich immer deutlich ab, dass die einzige verbleibende Option für Lingen ein Aufgehen in einem Großkreis Emsland mit dem Kreissitz in Meppen bleiben würde. Hiergegen organisierte sich in Lingen zunächst Widerstand. Es kam zu Demonstrationen und Großkundgebungen. An gefühlt jedem zweiten Auto sah man damals den Aufkleber: LIN muss bleiben. Doch der Protest verhallte ungehört.

1977 ging der Landkreis Lingen im neu gebildeten Landkreis Emsland auf. Sitz der Kreisverwaltung wurde Meppen. Lingen erhielt aber als größte Stadt im Emsland den neuen Status einer „großen selbständigen Stadt“ und blieb damit in vielen Belangen unabhängig von der Kreisverwaltung.
Auf den ersten Treffen der Gruppe der sieben Großen selbständigen Städte in Niedersachsen spotteten manche noch über die Kleinstadt im Emsland mit dem neuen Status. Aber ein Blick auf den rasch wachsenden Industriepark Süd und die Entwicklungspotentiale der Stadt ließ Lingen bald zu einem vielbeachteten Standort aufsteigen.