Mit dem Familiennamen Einspannier ist eine außergewöhnliche Ursprungssage verknüpft
Einspannier – Das ist ein seltener, aber dafür sehr spannender Familienname im Emsland. Mit ihm ist nämlich eine Ursprungssage verknüpft: Vorfahr aller heutigen Namensträger soll ein spanischer Soldat gewesen sein. Nachdem der in spanischen Diensten stehende Feldherr Ambrosius Spinola (1569–1630) im Jahr 1605 mit seinen Truppen Stadt und Grafschaft Lingen erobert hatte, blieben spanische Söldner 25 Jahre lang – bis zu ihrem endgültigen Abzug 1630 – in Lingen. Einer dieser Soldaten soll damals ein Liebesabenteuer mit einem Lingener Mädchen gehabt haben. Aus der Affäre sei auch ein Kind hervorgegangen. Da der Vater bei dessen Geburt aber bereits wieder abgerückt war und die junge Mutter den Namen des Vaters nicht nennen konnte (oder wollte), habe der Pfarrer im Kirchenbuch notiert: Vater – ein Spanier! Und aus diesem Eintrag „Ein Spanier“ sei dann der Familienname Einspannier geworden.

Doch was ist dran an dieser Geschichte? Der hier beschriebene historische Kontext wäre durch die spanische Zeit in Lingen durchaus gegeben gewesen. Ebenso dürften sicherlich einige Soldaten Techtelmechtel mit einheimischen Damen gehabt haben. Möglicherweise sind daraus auch Kinder entstanden. Nur lässt sich dieser Hergang leider nicht belegen. Zwar existieren für Lingen frühe Taufregister ab 1616. In diesen hat sich der besagte Eintrag aber bislang nicht finden lassen.
Wie so oft wird sich daher auch in diesem Fall um die lautliche Ähnlichkeit handeln, die Anlass zur Ursprungserzählung gewesen ist. Man verstand den Namen nicht mehr und suchte daher nach einer mehr oder weniger sinnvollen Deutung. Denn für die Erklärung des Namens Einspannier bedarf es aus sprachwissenschaftlicher Sicht keines namenlosen spanischen Ahnherrn. Der Name bzw. der in ihn eingegangenen Begriff ist auch bereits älter als die spanische Zeit in Lingen Anfang des 17. Jahrhunderts.
Schon der Hildesheimer Dechant Johannes Oldekop (1493–1574) schreibt vor 1573 eine Chronik über die Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523). Und hier heißt es zum Jahr 1513: „Dusse vorgemelte here und bischop was ein sehr karg forste und hadde itlike einspannier und hengstridere bi seck, de thom dele ut der besten hut nich gesneden weren.“ Die hier genannten etlichen Einspannier, die angeblich nicht aus der besten Haut geschnitten gewesen seien, sind, wie das Mittelniederdeutsche Wörterbuch von Karl Schiller und August Lübben aus dem Jahr 1875 mitteilt, „ein berittener, im Dienst des Fürsten oder der Obrigkeit stehender Diener, der zum Geleit mitgegeben wurde und Bestellungen ausrichtete.“ Es handelt sich also um einen Begriff aus dem militärischen Wortschatz.
Leopold Schütte erklärt in seinem kundigen Nachschlagewerk „Wörter und Sachen aus Westfalen. 800 bis 1800“ (2. Auflage 2014): „‚Einspänniger‘, scherzhaft für ‚Unverheirateter‘, im Militär ein Soldat, der sich selbst ausrüstet und im Truppenverband gewisse Freiheiten genießt; zivil (u.a.) ein Bote, der schwierige und verantwortungsvolle Aufgaben übernimmt, z.B. gerichtliche Insinuationen vornimmt.“ Letzteres zeigt auch ein ungefähr gleichzeitiger Quellenbeleg aus der „Chronica der Stadt Bremen“ des Johann Renner, die vor 1580 entstanden ist: „He hadde van sinem broder, so dem rahde tho Lubeck vor einem einspenjer denede, breve gekregen.“ Hier war also der genannte Bruder, der dem Lübecker Rat als Einspannier diente, mit Botendiensten betraut. Damit ist also die Ehre von Ur-Ur-Ur-Oma Einspannier gerettet. Sie hat sich nicht auf eine Affäre mit einem spanischen Söldner eingelassen und auch kein uneheliches Kind geboren. Vielmehr geht der Familienname Einspannier auf eine Berufsbezeichnung zurück, mit der gewisse verantwortliche Tätigkeiten einhergingen.

