Lingener Geschichte im Bild (84)

In den 50er-Jahren bildeten die Gründung und die Aufrüstung der Bundeswehr ein wichtiges Thema in der Diskussion um die Verteidigung der Bundesrepublik und die Bewahrung des Friedens. Die Folge 84 der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier berichtet, wie Lingen Standort einer großen Garnison wurde. Berufssoldaten, Zeitsoldaten und Wehrpflichtige taten auf dem Kasernengelände in Reuschberge und auf dem Truppenübungsplatz im Lohner Sand ihren Dienst.

1956 übernahm ein Vorkommando der neu gegründeten Bundeswehr die Kaserne in Reuschberge. Bald folgte ein Panzerspähbataillon. Ab 1959 rücke dann das neu gebildete Panzerbataillon 333 der Panzerbrigade 33 in den Standort Lingen ein. Ausgerüstet wurde die Einheit mit über 50 amerikanischen Panzern vom Typ M48. Im Juni stellte sich das Bataillon unter Oberstleutnant Deichen auf dem Lingener Marktplatz der Bevölkerung vor.

1961 wurde das Lingener Panzerbataillon dem Kommando der Nato unterstellt. Spektakulär war ab 1967 die Umrüstung auf den neuen deutschen Kampfpanzer Leopard I. Dieser war mit einer 105-Milimeter-Kanone und zwei MG ausgestattet. Die Besatzung bestand aus vier Mann.

Als örtliches Ausbildungsgelände diente der Lohner Sand. Für große Gefechtsübungen musste das gesamte Bataillon per Eisenbahn auf den Truppenübungsplatz in Belsen-Hohne verlegt werden.
Das Lingener Panzerbataillon beteiligte sich 1972 an der Emslandschau und 1975 mit einer Waffen- und Geräteschau am Stadtjubiläum „1000 Jahre Lingen“. Mehrfach fanden auch vielbesuchte „Tage der offenen Tür“ in der Kaserne statt. Die Soldaten waren in Lingen gerne gesehen und gut integriert. Die Gelöbnisse der Rekruten fanden häufig auf dem Marktplatz statt.

Im Rahmen der Neugliederung des Heeres stellte die Bundeswehr 1981 das Panzerbataillon 333 als Teil des Feldheeres in Celle neu auf. Dorthin wurden auch die Leopard-Panzer verlegt. In Lingen entstand ein neues Panzerbataillon 523, das als Teil des Territorialheeres der Heimatschutzbrigade 52 unterstand.
Weitere Einheiten der Bundeswehr in Lingen waren das Versorgungskommando 800, das Verteidigungskreiskommando 211, die Panzerpioniere, eine Instandsetzungseinheit, die Nachschubkompanie 330 sowie ein Feldjägerdienstkommando. Ein Teil dieser Einheiten war hervorgegangen aus dem 1959 in Lingen aufgestellten Versorgungsbataillon 336.

Dieses Versorgungskommando bildete damals das „Großkaufhaus“ der Bundeswehr mit über 150.000 Artikeln – vom Panzer bis zur Schraube. Hierfür wurde in Lingen ein eigenes Rechenzentrum betrieben, das die zahlreichen Depots und die Logistik verwaltete.
Nach der Wende 1989 wurden die militärischen Einheiten auch in Lingen sukzessive aufgelöst oder abgezogen. 2007 gab die Bundeswehr den Standort Lingen endgültig auf. Die Stadt Lingen erwarb das Kasernengelände und dort entstand ein neues Wohngebiet, der Emsauenpark.