Zur Verortung eines Toponyms in der Geōgraphikē Hyphēgēsis des Klaudios Ptolemaios
Dass Lingen erstmals im Jahr 975 in einer Urkunde Kaiser Ottos II. erwähnt wird, sollte spätestens seit dem groß begangenen Jubiläum „1050 Jahre Lingen“ im Jahr 2025 jedes Kind der Stadt wissen.
Ausschnitt der Deutschland-Karte des französischen Geographen Gilles Robert de Vaugondy von 1748. Weiterlesen →
Mit dem Familiennamen Einspannier ist eine außergewöhnliche Ursprungssage verknüpft
Einspannier – Das ist ein seltener, aber dafür sehr spannender Familienname im Emsland. Mit ihm ist nämlich eine Ursprungssage verknüpft: Vorfahr aller heutigen Namensträger soll ein spanischer Soldat gewesen sein. Nachdem der in spanischen Diensten stehende Feldherr Ambrosius Spinola (1569–1630) im Jahr 1605 mit seinen Truppen Stadt und Grafschaft Lingen erobert hatte, blieben spanische Söldner 25 Jahre lang – bis zu ihrem endgültigen Abzug 1630 – in Lingen. Einer dieser Soldaten soll damals ein Liebesabenteuer mit einem Lingener Mädchen gehabt haben. Aus der Affäre sei auch ein Kind hervorgegangen. Da der Vater bei dessen Geburt aber bereits wieder abgerückt war und die junge Mutter den Namen des Vaters nicht nennen konnte (oder wollte), habe der Pfarrer im Kirchenbuch notiert: Vater – ein Spanier! Und aus diesem Eintrag „Ein Spanier“ sei dann der Familienname Einspannier geworden.
Von der Haselünner Straße zweigt der sogenannte Hessenweg ab. In Nordwestdeutschland gibt es viele so bezeichneter Trassen. Über deren Name ist schon viel gerätselt worden. Auf Grundlage der heutigen lautlichen Gestalt wurden oft die Hessen als Namensgeber vermutet.
Der Verlauf des Hessenwegs auf der Landesaufnahme von 1853.
Die spannende Geschichte eines plattdeutschen Brunnenwortes
Wer im Emsland oder Münsterland unterwegs ist, hört bis heute den mundartlichen Ausdruck „Pütt“ oder „Pütte“, wenn von einem Brunnen die Rede ist. Doch woher kommt dieses Wort eigentlich – und was steckt sprachgeschichtlich dahinter? Sprecher des Plattdeutschen wissen: Mit „Pütt“ oder „Pütte“ meint man Brunnen oder Quelle. Im Hochdeutschen liegt die Übersetzung „Pfütze“ zwar nahe, trifft die plattdeutsche Bedeutung aber nicht ganz. Sprachwissenschaftlich sind die Wörter dennoch verwandt, denn im Germanischen lautete der Ursprung *puti. Durch die althochdeutsche Lautverschiebung wurde daraus hochdeutsch „Pfütze“ (p → pf, tt → tz). Im Mittelniederdeutschen, das zwischen 1200 und 1650 gesprochen wurde, konnte „Pütt(e)“ zusätzlich eine wassergefüllte Grube bezeichnen.
Woher kommen die Namen Nord- Mittel- und Südradde?
Wer im Emsland unterwegs ist, stößt früher oder später auf den Namen Radde. Gemeint ist damit allerdings nicht nur ein Fluss, sondern gleich drei Gewässer: Nordradde, Mittelradde und Südradde. Sie alle entspringen am Rand der hügeligen Geestlandschaft des Hümmlings oder in den angrenzenden Mooren und verlaufen in überwiegend südwestlicher Richtung, bis sie in Ems oder Hase münden.
Die Südradde als „Radde Fl.[uvius]“ auf einer Karte aus dem Jahr 1725. Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, Kartensammlung, A Nr. 02951.
Wissen Sie, was ein Wiemen ist? Derjenige, der noch des Plattdeutschen mächtig ist, denkt dabei an eine schlichte Holzstange im Hühnerstall oder an das Gerüst im Schornstein, an dem Speck, Schinken und Würste gemütlich im Rauch hängen. Doch hinter diesem eher bodenständigen Alltagsgegenstand steckt eine erstaunlich weite Reise durch Zeit und Sprache – von den Römern über das Mittelalter bis in die neuzeitlichen Küchen und Ställe.
Der Lingener Ortsteil Biene feiert Jubiläum. In diesem Jahr (2025) ist es nämlich 750 Jahre her, dass sein Name erstmals schriftlich erwähnt wurde. Damit gibt es Biene mindestens seit sieben und einem halben Jahrhundert – wenn das kein Grund zum Feiern ist!
Hat der Gierenberg etwas mit der Hinrichtungsstätte zu tun?
In der letzten Folge dieses Blogs ging es um die letzte öffentliche Hinrichtung auf dem Lingener Gierenberg, die an Gerhard Kruis alias Knapp Gerd vor genau 200 Jahren vollzogen wurde. Aber woher kommt eigentlich der Name der Richtstätte? Was bedeutet Gierenberg? Und hat der Name vielleicht etwas mit diesem schaurigen Ort zu tun?
Einmal in die Welt gesetzte Ortsnamendeutungen sind oft sehr langlebig – selbst, wenn sie offensichtlich falsch sind. So hält sich bis heute hartnäckig die Ansicht, der Ortsname Dreierwalde gehe auf ‚drei Häuser im Wald‘ zurück. Doch wo sind, wenn dem so wäre, denn dann eigentlich die „Häuser“ im Ortsnamen geblieben, der nur aus den Teilen Dreier- und -walde besteht?
Auch das Gemeindewappen von Dreierwalde gibt die falsche Ortsnamenerklärung als „drei Häuser im Wald“ wieder.
Über manche Vornamen, die Eltern heute ihren Kindern geben, darf man sicherlich geteilter Meinung sein und auch trefflich streiten. Oftmals werden im Gespräch dann aber die alten Rufnamen beschworen, die – weil bekannt – als „normal“ empfunden werden. Doch mahnt der Historiker zu Vorsicht gegenüber derartigen Pauschalurteilen, weil sich im Laufe der Zeit die Namenmoden doch vielfach gewandelt haben.