Lingen in den Nachkriegsjahren

Lingener Geschichte im Bild (78)

‚Autoverkehr‘ auf dem Lingener Marktplatz 1946

Um die Notjahre in der Nachkriegszeit geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Es waren Jahre der Not und der Entbehrungen, aber sie brachten auch die Freiheit für die überlebenden Opfer des Nationalsozialismus und den Wiederaufbau der Demokratie. Viele erkannten erst jetzt den fatalen Fehler, aus Frust über die demokratischen Parteien und die Wirtschaftskrise die Macht den Rechtsradikalen zu überlassen.

Der zerstörte Häuserblock zwischen Markt und Burgstraße (1945)

Mit dem Durchzug der Front im April 1945 übernahm das Britische Militär die Verwaltung von Stadt und Landkreis Lingen. Das Eisenbahnwerk und weitere Teile des südlichen Stadtgebietes waren durch die Luftangriffe zerstört und durch die Straßenkämpfe beim Einmarsch der Engländer waren in der Innenstadt ganze Häuserzeilen niedergebrannt.

Die Nazi-Funktionäre wurden abgesetzt und inhaftiert. An ihrer Stelle setzte die Militärverwaltung vertrauenswürdige Deutsche ein, die nach den Anweisungen der Engländer für Recht und Ordnung, Versorgung und Verwaltung sorgen mussten. Neuer Bürgermeister in Lingen wurde der Kaufmann Clemens Brackmann. Eine schwierige Aufgabe in Zeiten der Not.

‚Autoverkehr‘ bei Benzinmangel in der Nachkriegszeit

Die Kriegswirtschaft in Deutschland, die auf der Ausbeutung besetzter Länder sowie dem Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen basiert hatte, brach mit dem Kriegsende zusammen. Not und Mangel beherrschten den Alltag im zerstörten Europa, besonders aber in Deutschland, dem Auslöser des Unheils, das nun Reparationszahlungen an die Siegermächte leisten musste.

Für die befreiten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter richtete die Vereinten Nationen in den Lingener Kasernen ein Auffang- und Durchgangslager ein. Tausende von Flüchtlingen aus Pommern und Ostpreußen wurden im Emsland verteilt und 1946 folgen ihnen noch tausende Vertriebene aus Schlesien. Alle mussten untergebracht, versorgt und integriert werden.

Die Rationen für Nahrungsmittel und Brennstoffe wurden immer knapper – im Winter kam es zu Hungertoten und Erfrierungen. Das Schmuggeln und der Schwarzmarkt blühten auf. Rasch war der Wert der Reichsmark verfallen und überall dominierte der Tauschhandel.

Autofähre neben der behelfsmäßig wiederaufgebauten Eisenbahnbrücke in Hanekenfähr (1946)

Im Frühjahr 1946 überschwemmte dann auch noch ein Jahrhunderthochwasser der Ems weite Teile des Emslandes mit den Städten Rheine, Lingen, Meppen und Haren. Die wenigen Vorräte in den Kellern wurden von den Fluten unbrauchbar oder vernichtet.

Mit den Stadt- und Gemeinderatswahlen sowie den Kreistagswahlen startete 1946 der Neubeginn von Demokratie und Selbstverwaltung. Das Land Niedersachsen wurde gebildet und ein Landtag gewählt. Die Briten, Amerikaner und Franzosen schlossen ihre Besatzungszonen zusammen und daraus entstand 1949 die Bundesrepublik Deutschland.