Der Lingener Baumeister Hans Lühn

Lingener Geschichte im Bild (72)

Hans Lühn und seine Frau Milly Ruck (um 1910)

Im Mittelpunkt der heutigen Folge unserer Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier steht der Baumeister Hans Lühn (1886-1932), der mit seinen Bauten das Lingener Stadtbild in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat.

Das ‚Preußische Behördenhaus‘ (heute Finanzamt)

Als Sohn eines Lingener Bauunternehmers übernahm er schon früh Entwurfsarbeiten für seinen Vater und plante bereits 1906, also im Alter von gerade einmal zwanzig Jahren, das Geschäftshaus Nottbeck in der Burgstraße. An der Hochschule in Karlsruhe studierte er bei dem Baumeister und Architekturtheoretiker Prof. Friedrich Ostendorf, der einen schlichten, an klassischen Bauformen orientierten Baustil vertrat. Lühn entwarf in diesem Stil z.B. 1922 die Villa auf dem abgebrannten Böhmerhof und 1925 die Bürgermeistervilla an der Wilhelmstraße.

Mitte der Zwanzigerjahre wandte sich Lühn dem modernen Backsteinbau nach dem Vorbild der Hamburger Architekten Fritz Höger und Fritz Schuhmacher zu. Lühn wurde zu einem entschiedenen Vertreter des norddeutschen Backstein-Expressionismus und errichtete in diesem Stil in Lingen und Umgebung zahlreiche öffentliche und private Gebäude, darunter die Reichsbank (heute Emslandmuseum) und das Preußische Behördenhaus (heute Finanzamt) in Lingen, das Postamt in Neuenhaus und das Schulgebäude in Lohne.

Geschäftshaus Am Markt Ecke Gymnasialstraße

Nach dem Wirbelsturm 1927 plante Lühn den Neubau des zerstörten Hauses auf der Ecke Markt/Gymnasialstraße und sorgte für die Reparatur des Alten Rathauses. 1928 erfolgte die Erweiterung des Geschäftshauses Dr. Adelmann in der Marienstraße, im gleichen Jahr der Neubau des Geschäftshaus Winkelmann in der Burgstraße (heute Targo-Bank) und 1929 die Jugendherberge an der Jahnstraße (heute DRK-Gebäude).

Geschäftshaus Winkelmann (heute Targo-Bank) in der Burgstraße

Wichtige Wohnbauprojekte Lühns in dieser Zeit waren die Mehrfamilienhäuser an der Schwedenschanze, an der Feldstraße und an der Adolfstraße.

Mehrfamilienhaussiedlung an der Schwedenschanze

Lühn restaurierte die Kapelle in Estringen und plante den Kirchenneubau in Dalum, ein Hauptwerk des Expressionismus im Emsland. Im Bereich des Industriebaus entwarf er das Heseper Torfwerk und die Fleischmehrfabrik in Brögbern. Die dortige Schule wurde ebenfalls nach seinen Plänen errichtet und 1930 entwarf er die Hindenburgschule (heute Overbergschule) in Lingen. Die Vollendung dieses Bauwerks hat Lühn nicht mehr erlebt, denn er starb 1932 im Alter von 46 Jahren kurz nach dem tragischen Tod seiner Frau. Das Ehepaar hinterließ vier kleine Kinder.