Lingener Geschichte im Bild (32)

In der heutigen Folge der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum geht es um die Situation der Lingener Katholiken unter der Herrschaft der Oranier. Ein heikles Kapitel, denn nach dem Abschluss des Friedens von Münster 1648 hatten die Oranier nicht lange gezögert, die strengen Gesetze gegen die katholische Kirche in den Niederlanden nun auch in Stadt und Grafschaft Lingen anzuwenden.

Im Zentrum ihrer Maßnahmen stand bald der katholische Priester Johann Heidenreich Stodtbroch. Er stammte von einem Bauernhof in Roxel bei Münster und war zunächst Vikar in der Domstadt. Stodtbroch unterstütze dann den Lingener Pfarrer Schmeddes und half in verschiedenen Pfarreien im Raum Lingen aus.
1654 wurde ihm die Aufgabe des Erzpriesters für die Grafschaft Lingen übertragen. Dieses Amt umfasste die Aufsicht über die 14 katholischen Pfarreien in der Grafschaft Lingen. Alle diese Gemeinden standen unter dem Druck der oranischen Beamten und der reformierten Prediger. Selbst kleine Vergehen gegen die strengen Religionsgesetze wurden mit drakonischen Strafen belegt.
Wegen der Übernahme des Erzpriesteramtes und angeblicher Hetze gegen die Reformierten von der Kanzel herab drohte Stodtbroch die Verhaftung. Der Sage nach flüchtete er erst in letzter Minute, in Frauenkleider getarnt, über den Stadtgraben aus der Stadt in das benachbarte Kirchspiel Schepsdorf, das damals zum katholischen Münsterland gehörte. Stodtbroch wurde 1667 zum Pfarrer von Schepsdorf ernannt und betreute von dort aus die Lingener Katholiken. Dabei unterstützte ihn als junger Priester sein Neffe Antonius Jakobus Stodtbroch.
Für die Lingener Katholiken richtete er in einer Scheune des Bauern Möddel in Darme eine Notkirche ein, so dass die Kirchgänger sonntags nicht jedesmal mit einer Fähre über die Ems mussten, um den Gottesdienst in Schepsdorf zu besuchen. Jeden Sonntag machten sich die Lingener Katholiken nun durch das Lookentor und über die Lindenstraße auf den Weg zu diesem behelfsmäßigen Gotteshaus in Darme.

Stodtbroch gründete außerdem eine Gebetsbruderschaft für den unterdrückten und verfolgten Klerus in der Grafschaft Lingen, die bald über 400 Mitglieder zählte, darunter viele Priester aus den Bistümern Münster und Osnabrück.
1697 starb der für seine asketische Lebensweise bekannte Erzpriester im Pfarrhaus zu Schepsdorf und wurde dort unter einem schlichten Grabstein mit einem eingemeißelten Kelch begraben. Eine aus Sandstein gehauene Gedenktafel für ihn und seinen Vorgänger hängt bis heute in der Schepsdorfer Kirche.