Die Lingener Wehrmachtskasernen

Lingener Geschichte im Bild (47)

Wehrmachtsparade auf dem Marktplatz

Die Aufrüstung der Bundeswehr ist derzeit ein aktuelles Thema mit weitreichenden Folgen für die militärische Lage in Europa, die Staatsfinanzen und jeden einzelnen Soldaten. In der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier geht es allerdings um die Wiederaufrüstung Deutschlands durch die Nationalsozialisten ab 1933 und den Bau der Lingener Kasernen in den Dreißigerjahren.

Militärische Ausbildung in der Lingener Kaserne

Unmittelbar nach der Machtübernahme begannen die Nationalsozialisten mit der Wiederaufrüstung Deutschlands, obwohl dies dem Friedensvertrag von Versailles widersprach. Die Wehrmacht sollte in der Lage versetzt werden, in einem geplanten Expansionskrieg die kleineren Nachbarländer Deutschlands rasch zu besetzten und von dort aus Kriege gegen Großmächte wie Frankreich, England und die Sowjetunion zu gewinnen.

Die Infanterie-Kaserne in Lingen

Auch in Lingen wurden die Folgen dieser Politik ab 1935 mit dem Bau der „Walter-Flex-Kaserne“ und der „Scharnhorstkaserne“ in Reuschberge sichtbar. Die Lingener Baufirmen und Handwerksbetriebe erhielten dadurch zahlreiche Aufträge beim Bau und der Einrichtung von Unterkünften und Militäranlagen. Nach der Fertigstellung der Kasernenblocks und Fahrzeughallen wurden dort Infanterie- und Artillerieeinheiten untergebracht. 1939 rückten außerdem motorisierte Ersatztruppenteile in Lingen ein.

Auf dem Schießplatz in Schepsdorf

Als Schieß- und Übungsplatz nutzte die Wehrmacht ein weitläufiges Heidegelände jenseits der Ems zwischen Schepsdorf und Lohne. Der Lingener Marktplatz diente nun als Aufmarschplatz für martialische Wehrmachtsparaden und Gelöbnisfeiern.

Truppenaufmarsch auf dem Marktplatz

Mit dem Kriegsbeginn 1939 kamen die Truppen aus den Lingener Kasernen zum Einsatz an allen Fronten und kämpften in den folgenden Jahren in vielen Ländern Europas. Während des Krieges waren in Lingen verschiedene Ersatz- und Ausbildungseinheiten untergebracht. Beim Herannahen der Front Anfang April 1945 verließen die letzten Wehrmachtstruppenteile fluchtartig die Kaserne.

Gelöbnisfeier auf dem Marktplatz

Die leerstehenden Kasernengebäude dienten nach Kriegsende für längere Zeit zur Unterbringung von „Displaced Persons“. Dies waren Soldaten und Zivilisten u.a. aus Polen, Jugoslawien und dem Baltikum, die nicht in ihre mittlerweile kommunistisch besetzten Heimatländer zurückkehren wollten.

Mit der Aufstellung der ersten Bundeswehrverbände wurden in Lingen 1956 wieder Truppenteile stationiert. Einen Schwerpunkt bildeten nun Panzerverbände und Ausbildungskompanien. Später kam ein großes Logistikzentrum hinzu. Mittlerweile befindet sich auf dem früheren Kasernengelände das Wohnviertel Emsauenpark. Von dem früheren Gebäudekomplex steht nur noch das ehemalige Unteroffiziersheim, das heute als Haus der Vereine dient.