Die Nationalsozialisten ergreifen 1933 die Macht

Lingener Geschichte im Bild (73)

‚Tag der Nationalen Erhebung‘ am 30.1.1936

Heute geht es in der Geschichtsserie von Emslandmuseum und El-Kurier um ein zentrales Thema der deutschen Geschichte: die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933. Dabei waren Lingen und das Emsland keineswegs Hochburgen des Nationalsozialismus.

‚Nachtappell‘ am 1. Mai 1933

Bei der letzten demokratischen Reichstagswahl am 5. März 1933 holte die katholische Zentrumspartei in Lingen mit fast vierzig Prozent die meisten Stimmen. Die Nationalsozialisten kamen hier nur auf 27,9 Prozent gegenüber 43,9 Prozent deutschlandweit. In den meisten Orten im Emsland lag der Anteil der Zentrumswähler noch höher und die NSDAP hatte entsprechend weniger Wähler.

Seit der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 machten sich die Nationalsozialisten die Medien gefügig, verfolgten politische Gegner und verbannten sie aus dem öffentlichen Leben. Eine wichtige Zielscheibe in Lingen bildete Bürgermeister Hermann Gilles von der Zentrumspartei. Nach haltlosen juristischen Anschuldigungen und einer massiven Pressekampagne gegen den Amtsinhaber musste der rechtmäßig gewählte Bürgermeister Gilles zurücktreten und an seine Stelle trat der junge NSDAP-Kreisleiter Erich Plesse. Die Lingener Zentrumsführer wurden aus ihren Stellungen im Öffentlichen Dienst entlassen. Die Anführer der Sozialdemokraten und der Kommunisten kamen kurzzeitig in Haft und wurden massiv eingeschüchtert, der Stadtrat mit Nationalsozialisten besetzt.

Maifeier auf dem Lingener Marktplatz

Die bisherigen Parteien, Gewerkschaften und Verbände wurden aufgelöst und an ihre Stelle traten die neuen NS-Organisationen. Alle Berufs- und Altersgruppen wurden darin erfasst. Die neuen NS-Formationen dienten der Stützung des totalitären Systems in Wirtschaft und Gesellschaft.

Standesunterschiede und konfessionelle Gegensätze in Deutschland sollten durch eine neuartige „Volksgemeinschaft“ aufgehoben werden. Gleichzeitig begann die Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Deutschen, der Nichtdeutschen im Reichsgebiet, der Erbkranken und Behinderten sowie aller Personen, die als „asozial“ eingestuft wurden. Alle diese Maßnahmen wurden ständig verschärft und während des Zweiten Weltkriegs rücksichtslos vollzogen.