Lingener Geschichte im Bild (77)

Um ein schreckliches Kapitel des Zweiten Weltkriegs geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier: die Luftangriffe und den Bombenterror. Beide Kriegsparteien wählten als Ziele nicht nur militärische Objekte und Industrieanlagen, sondern auch Städte und Wohngebiete, um damit die Zivilbevölkerung des Gegners zu zermürben.

Anfangs hatte die deutsche Luftwaffe die sogenannte „Lufthoheit“ und trug damit maßgeblich zum Erfolg der Angriffe auf die Nachbarstaaten bei. Aber schon 1942 fielen zunehmend Bomben über Lingen und dem Emsland. Was die deutsche Luftwaffe mit den Angriffen auf Warschau, Rotterdam und London begonnen hatte, beantworteten die Alliierten nun mit Bombenangriffen auf deutsche Städte.
Eine der Haupteinflugschneisen der alliierten Bomberflotten führte von England aus über die Niederlande und das südliche Emsland in Richtung Hannover und Berlin. Bei jedem Überflug gab es in Luftalarm, weil man mit dem Abwurf von Bomben rechnen musste. Ein gezielter Großangriff auf Lingen blieb aber zunächst aus.
In der Kriegspropaganda hieß es: „Lingen ist ein kleines Loch, aber wir finden Lingen doch“. Es war klar, dass früher oder später ein Angriff auf das Eisenbahnwerk kommen würde. Bunker wurden gebaut und Keller als Luftschutzräume eingerichtet. Manche Familien brachten Teile des Hausrats bei Bauern oder auswärtigen Verwandten unter, andere bauten sich Erdbunker in den Wäldern im Umfeld der Stadt.

Flugabwehrkanonen wurden an verschiedenen Stellen der Stadt positioniert, doch fehlten Soldaten zur Bedienung der Waffen. Daher wurden Oberschüler des Gymnasiums Georgianum als sogenannte „Luftwaffenhelfer“ eingesetzt. Auch bei der Flugabwehr am damaligen Militärflugplatz in Lünne kamen Lingener Schüler zum Kriegseinsatz.

Im Februar 1944 erfolgte der erste große Luftangriff auf Lingen. Das Lok- und das Wagenwerk wurden total zerstört. Auch die umliegenden Wohngebiete im Süden des Stadtgebietes und in der benachbarten Gemeinde Darme waren stark betroffen. Die Schäden an den Gebäuden und der Infrastruktur war erheblich und es gab viele Tote unter der Zivilbevölkerung. Unter dem Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen wurden die Trümmer geräumt und die Kriegspropaganda versprach einen baldigen Wiederaufbau. Doch im November 1944 kam ein zweiter Luftangriff, der das gesamte südliche Stadtgebiet erneut schwer verwüstete und zahlreiche weitere Todesopfer forderte.

Mittlerweile standen die Truppen der Alliierten bereits am Niederrhein und in den Niederlanden. An einen Wiederaufbau und an einen deutschen Sieg war nicht mehr zu denken, auch wenn die Kriegspropaganda immer noch den „Endsieg“ und dem Einsatz deutscher „Wunderwaffen“ verkündete. Viele hofften nur noch auf ein Ende des Krieges ohne weitere Bombenangriffe auf Lingen und richteten sich auf den Durchzug der Front ein.