Die Siedlung Heukamps Tannen

Lingener Geschichte im Bild (83)

Blick von der Trinitatiskirche auf die neue Siedlung

Die Siedlung Heukamps Tannen steht im Mittelpunkt der neuen Folge unserer Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier. Diese Großwohnsiedlung war zeitweise die größte Baustelle im Emsland und leistete einen großen Beitrag zur Beseitigung der Wohnungsnot in Stadt und Landkreis Lingen in den Fünfzigerjahren.

Die neuen Häuser am Finkenweg 1952

Anfang 1950 kauften die Stadt und die Gemeinnützige Baugesellschaft Lingen von der Familie Heukamp und anderen Besitzern im Bereich östlich der Waldstraße große Flächen für die Errichtung eines neuen Wohngebietes auf. Der Bebauungsplan sah für die neue Siedlung 600 Bauplätze vor, auf denen bis Ende 1950 bereits 100 Wohnungen für Flüchtlinge und bis 1955 weitere 300 Wohnungen errichtet wurden.

Neue Häuser an der Birkenallee (1955)

Noch im Jahre 1950 starteten die Bauprogramme der Erdölraffinerie, der Gemeinnützigen Baugesellschaft, der Niedersächsischen Heimstätte, der Lingener Baugenossenschaft sowie die Bauvorhaben einzelner Privatpersonen. Die Bebauung begann im südlichen Teil an der Lerchenstraße, der Meisenstraße, im Amselweg und im Finkenweg.

Doppelhäuser am Finkenweg 1952

Der übrige Teil des Geländes wurde bis 1954 von der Erdölraffinerie mit Zwei- und Vierfamilienhäusern für ihre Werksangehörigen bebaut, vornehmlich in der Birkenallee, im Schwalbenweg, in der Nachtigallenstraße und im Starenweg. Viele der neuen Häuser waren Putzbauten, wie man sie bis dahin im Emsland kaum kannte. Sie wurden damals noch „die weißen Häuser“ genannt.

In der neuen Siedlung entstand auch die evangelische Trinitatis-Kirche

Die Siedlung erhielt nach dem Vorbesitzer des Grundstücks den Namen „Heukamps Tannen“. Von dort aus waren die Innenstadt, die Industriebetriebe an der Waldstraße und auch die 1953 in Betrieb genommene Erdölraffinerie gut zu erreichen. Auch die nötige Infrastruktur mit Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Kirchen, Gaststätten usw. wurde systematisch geplant und rasch eingerichtet. Zu den Häusern gehörten große Grundstücke, die als Gemüsegärten gedacht waren. Garagen waren anfangs noch nicht vorgesehen. Niemand rechnete damit, dass in absehbarer Zeit viele Familien ein Auto besitzen würden.

Die „Volksschule Heukamps Tannen“ entsteht

Die neue Siedlung hatte für Lingen und das Emsland einen neuen Charakter. Flüchtlinge aus Schlesien, Pommern und Ostpreußen sowie Zugezogene aus den ländlichen Orten im Emsland, Katholiken und Protestanten wohnten hier bunt durcheinander. Im Zentrum der Siedlung entstand die evangelische Trinitatis-Kirche, für die Katholiken wurde in den Sandbergen die Maria-Königin-Kirche errichtet. Die Schulen waren nach Konfessionen getrennt. Gleichwohl bildete sich in der Siedlung rasch ein buntes Gemisch von Menschen unterschiedlicher Herkunft, die hier eine neue Heimat und ein neues Zuhause fanden.