Lingener Geschichte im Bild (87)

Um ein Dauerthema in der Stadtentwicklung der Nachkriegsjahrzehnte geht es in der heutigen Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier: die Stadtsanierung. Straße um Straße wandelte ihr Gesicht und manches Stadtviertel wurden dabei stark verändert.

Die Stadtsanierung in Lingen begann mit dem Abbruch zahlreicher alter Häuser an der Elisabethstraße, um Platz für das Neue Rathaus zu schaffen.

Es folgten sämtliche Häuser auf dem Baublock an der Südseite des Marktplatzes. Das nannte man damals eine Flächensanierung.

Anfang der Sechziger Jahre wurden hier zunächst mehrere historische Bürgerhäuser abgebrochen. Sie würden heute vermutlich alles unter Denkmalschutz stehen.

Als sich 1966 die Fertigstellung des Neuen Rathauses abzeichnete, wurde schließlich auch das „Alte Stadthaus“, ein stattlicher Backsteinbau von 1651, abgebrochen. Seit 1873 hatte hier die Stadtverwaltung ihren Sitz.
An gleicher Stelle wollte man ursprünglich das Neue Rathaus errichtet. Der Platz erwies sich aber als zu klein. Später sollte hier ein zentraler Busbahnhof entstehen, aber mit den Planungen der Fußgängerzone war auch diese Nutzung nicht mehr aktuell. Am Ende errichtete man auf dem freigeräumten Grundstück einen Neubau für die Sparkasse, der heute für Geschäfte und Gastronomie genutzt wird.
Bald folgten die vorderen Bereiche von Schlachterstraße und Elisabethstraße, wo in mehreren alten Gebäuden u.a. die Landmaschinen- und Haushaltswarenhandlung van Lengerich ihren Sitz hatte. Auch die traditionsreiche Gaststätte von „Oma Schröder“ in der Bauerntanzstraße verschwand unter dem Bagger.
Ein weiteres Sanierungsgebiet bildete die Kivelingsstraße, wo kaum ein altes Haus erhalten blieb. An der Stelle der alteingesessenen Gaststätte Korte entstand ein Aldi-Kaufhaus mit angegliedertem Parkhaus. Kleine Geschäftshäuser verschwanden und große Wohnhäuser, vorzugsweise für Senioren, traten an ihre Stelle.
Parallel zum Bau der Tiefgarage wurde Ende der 1970er-Jahre Bereich zwischen Marktplatz und Schlachterstraße in Angriff genommen. Mittlerweile hatte sich die Einstellung zur Stadtsanierung geändert und die Planer orientierten sich bei den Neubauten stärker am historischen Straßenbild.

In der nördlichen Altstadt standen seit den 1970er-Jahren die Baccumer Straße und der Universitätsplatz auf dem Programm. An der Stelle der Lagerhäuser und Hintergebäude des Landhandels Brümmer errichtete das Altenwerk Lingen eine Wohnanlage. Einzelne Fassaden blieben erhalten und dahinter entstand ein Kino-Center, das heute als Sitz des Institutes für Theaterpädagogik der Hochschule Lingen dient. Das Professorenhaus, dessen Abriss schon geplant war und das zeitweise als Möbellager diente, wurde unter Denkmalschutz gestellt und umfassend saniert. Seit 1985 ist es Sitz des Theaterpädagogischen Zentrums TPZ.

Im Zuge der Stadtsanierung erhielten auch die Stadtbücherei und das Stadtarchiv einen großzügigen Neubau an der Baccumer Straße. Zunächst mussten auch dort etwa ein dutzend alter Wohn- und Geschäftshäuser niedergelegt werden, um einen ausreichenden Bauplatz zu schaffen.
Viele Straßen, besonders die Nebenstraße, haben durch die Stadtsanierung ihr Gesicht stark verändert. Aber anders als in vielen andern Städten wurde der alte Stadtgrundriss nicht angetastet und viele schmucke Fassaden und historische Gebäude blieben erhalten.