Lingener Geschichte im Bild (96)


Ein fast vergessenes Kapitel der Lingener Geschichte sind die Viehmärkte. Dabei wurde die heutigen Emslandhallen 1991 als „Markt- und Messehallen“ hauptsächlich für die Viehmärkte errichtet. Bis dahin fand der Viehhandel in einer kleinen Halle und auf einem Freigelände an der Alten Rheine Straße statt. Darüber berichtet die heutige Folge der Geschichtsserie von Emslandmuseum und EL-Kurier.
Der Viehmarkt an der Alten Rheiner Straße war in der Zwanziger Jahren als „Zentralviehmarkt“ entstanden. Bis dahin hatte der Viehhandel in den Straßen der Innenstadt und auf dem Alten Pferdemarkt stattgefunden.


Die Viehmarkthalle an der Rheiner Straße wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff zerstört und später in erweiterter Form wieder aufgebaut. Die Raumverhältnisse waren sehr beengt und hauptsächlich wurde die Halle für die Viehauktionen genutzt. Der übrige Handel spielte sich auf dem geräumigen Außengelände ab. Auch die Anbindevorrichtungen für die Rinder und Pferde befanden sich unter freiem Himmel.


In einem Bericht von 1991 heißt es über die alte Viehmarkthalle: „Dichtgedrängte Tierreihen unter verstaubten Stahlrohrkonstruktionen. Schwere Holztüren vor fleckigen Wänden, abblätternde Halterohre über abgewetzten Betontrögen. Stimmengewirr in den Ohren und Mistgeruch in der Nase. Der Zentralviehmarkt in Lingen hat seit Jahren eine unverwechselbare Atmosphäre. Hier werden auch im Zeitalter von computergesteuerten Scannerkassen die Geschäfte per Handschlag gemacht. So war es immer und so wird es auch bleiben.“


Anfang der 1990er-Jahre wurden dann auf dem Gelände des früheren Wagenwerkes der Eisenbahn an der Lindenstraße die neuen Markt- und Messehallen errichtet. Sie waren nicht nur wesentlich größer als die alte Halle, sondern auch für eine Vielzahl von Veranstaltungen geeignet. Außer den Viehmärkten fanden hier Messen und großflächige Ausstellungen statt.
Eine eigene Veranstaltungshalle konnte für Konzerte und Kulturveranstaltungen genutzt werden. Auch die Viehauktionen fanden hier statt. Ein Restaurantbetrieb bot ein breites gastronomisches Angebot für Marktbeschicker und Publikum.

Im Sommer 1991 wurden die neuen Hallen mit einer großen Emslandschau eröffnet. Im September fand dann dort der erste Viehmarkt statt. Die Lingener Tagespost berichtete damals: „Unterdessen gehen die Geschäfte bei den Profis weiter. Geändert haben sich die Hallen, nicht die Rituale. Per Handschlag werden auch jetzt die Geschäfte gemacht, die immer wieder Schaulustige anziehen. Bei der Premiere wird mit über 1000 Tieren eine Rekordbeteiligung verzeichnet, üblich sind etwa 700. Eine große Zahl Zuschauer verteilt sich zudem in dem großen Gebäudekomplex. Die Händler und Landwirte scheint das öffentliche Interesse weniger zu stören. Nach der heißen Zeit der Geschäfte stehen sie in Grüppchen zusammen, diskutieren über Viehzucht und die Getränkepreise in der Cafeteria, und natürlich über Brüssel, das Thema ohne Ende.“