Der Zweite Weltkrieg brachte unvorstellbares Leid über ganz Europa. Seit 75 Jahren herrscht nun Frieden. Aber Frieden kommt nicht von alleine. Er muss immer wieder erneuert und verteidigt werden – gegen Nationalismus, Imperialismus, Rassismus und Gleichgültigkeit. Daran kann jeder mitarbeiten. Heute schon.
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Das Kriegsende 1945 im Raum Lingen – 7 / 8
Heftiger Widerstand in der Lingener Innenstadt
Tresor der früheren Landeszentralbank hat noch nicht verspielt

Noch immer kämpft sich eine Spezialfirma aus Dortmund mit ihrer Betonsäge durch die Decke und die Wände des Tresorraums der früheren Landeszentralbank. Doch allmählich lockern sich die in handliche Blöcke zerteilten Betonstücke und können demnächst abtransportiert werden.
Besondere Entdeckungen konnten im Tresorraum leider nicht mehr verzeichnet werden. Weder Reichsmark, D-Mark noch Euro – und schon gar keine Goldbarren.
Von einem früheren Mitarbeiter der Landeszentralbank erhielt das Emslandmuseum aber bereits vor längerer Zeit zahlreiche Erinnerungsstücke aus der Geschichte der Landeszentralbank, früher Reichsbank, in Lingen. Dieses werden demnächst an dieser Stelle einmal vorgestellt.
Das Kriegsende 1945 im Raum Lingen – 6 / 8
Das Kriegsende 1945 im Raum Lingen – 5 / 8
War der Erste Weltkrieg noch eine Angelegenheit des Militärs mit verlustreichen Stellungs- und Grabenkämpfen, so richteten sich die Bombenangriffe im Zweiten Welt auch unmittelbar gegen die Zivilbevölkerung des Feindes. Das bekamen bald auch Lingen und das Emsland zu spüren.
Eines der ältesten Häuser von Lingen
Schlachterstraße 34 wird restauriert

Restauriert wird seit einigen Wochen das denkmalgeschützte Haus Schlachterstraße 34. Eine Untersuchung der Bauhölzer ergab, dass diese Hauses 1549, also im Jahr nach dem großen Lingener Stadtbrand, neu errichtet wurde. Über 100 Jahres war das Haus im Besitz der Familie Tölsner, die dort zuletzt eine Werkstatt betrieb. Die jetzige Eigentümerin plant nach dem Umbau dort ein Cafè.
Von dem ursprünglichen Fachwerkhaus ist vor allem noch die originale Balkenlage aus starken, rauchgeschwärzten Eichenbalken erhalten. Rauchgeschwärzt deshalb, weil dieses Haus im 16. Jahrhundert noch ein Rauchhaus mit einem offenen Herdfeuer war. An den Balken kann man die Raumaufteilung des Hauses von 1549 noch gut nachvollziehen. Etwa an der Stelle der heutigen Haustür befand sich damals ein Torbogen, durch den man auf eine große Diele gelangte. Links davon waren kleinere Räume abgetrennt.
Schon kurz nach dem Neubau entstand auf dem Rückgrundstück ein schmaler Anbau. Er wurde aus gebrauchtem Holz erreichtet, und zwar aus einem Altbau von 1447. Ob dieser an der Stelle des heutigen Hauses gestanden hatte oder das Holz nach dem Stadtbrand von 1548 anderswo auf Abbruch erworben wurde, lässt sich nicht mehr feststellen. Die Verwendung von Altholz war besonders nach einem Stadtbrand nicht ungewöhnlich. Die Lingener Stadtrechnungen aus dieser Zeit berichten zum Beispiel über den Erwerb von Abbruchholz in Schapen, um daraus die Schule in Lingen zu errichten.
Ein großer Umbau des Hauses fand Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Familie Tölsner statt, die bis dahin in einem Nachbarhaus gewohnt hatte. Joachim Tölsner kann sich noch erinnern, dass sein Großvater immer von einem Bauernhaus gesprochen hatte Damit meinte er wohl das alte Dielentor, dessen Spuren im früheren Giebelbalken noch erkennbar sind..
Zukünftig wird das Haus Gaststuben und auf den oberen Etagen Wohnräume enthalten. Alles Baumaßnahmen wurden mit der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Lingen abgestimmt.
Delfter Blau und Lingener Silber
Neuerwerbung für das Emslandmuseum
Ein spektakulärer Ankauf aus einer Versteigerung im renommierten Kunstauktionshaus Lempertz in Köln gelang jetzt erneut dem Lingener Emslandmuseum. Es handelt sich um einen über 300 Jahre alten Delfter Fayencekrug mit einer Silbermontierung des Goldschmiedes Anton Friedrich May (1699-1781), der seit etwa 1740 in Lingen tätig war. In den Silberdeckel hat Kruges hat May eine wertvolle Silbermünze eingearbeitet, einen Zweidritteltaler des Fürstentums Calenberg in Braunschweig- Lüneburg, datiert 1693.
Das Emslandmuseum besitzt aus seinem Altbestand bereits einen vergleichbaren Krug, dessen Silbermontierung jedoch später gewaltsam entfernt wurde. Vermutlich geschah dies gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Museumssammlung in Kisten verpackt und auf dem Dachboden der Hindenburgschule (heute Overbergschule) ausgelagert wurde. Bei den Kämpfen um Lingen im Frühjahr 1945 gab es dort erhebliche Schäden und Verluste durch Beschuss, Raub und Vandalismus. Umso mehr freut sich Museumsleiter Dr. Andreas Eiynck über den vorzüglichen Erhaltungszustand des jetzt erworbenen Stückes, das natürlich einen Ehrenplatz in der Dauerausstellung erhält.
Dass „Delfter Blau“ in der damaligen Zeit in den Wohnstuben der Lingener Bürgerhäuser sehr beliebt war, zeigen nicht nur die zahlreichen überlieferten Stücke im Emslandmuseum. Auch Archäologische Gruppe entdeckte bei ihren Ausgrabungen in der Innenstadt immer wieder Bruchstücke von Delfter Keramik. Die kunstvoll mit blauer Bemalung dekorierte Keramik aus Delft dokumentiert somit in besonderer Weise die engen kulturellen Beziehungen zwischen Lingen Lingen und den Niederlanden. Dies möchte das Museum in der zukünftigen Dauerausstellung noch deutlicher herausstellen.
Wegen des Corona-Virus ist das Emslandmuseum bis auf weiteres geschlossen. Laufende Informationen über die aktuellen Entwicklungen und Themen im Museum sowie über die Bauarbeiten am Erweiterungsbau des Museums gibt es ab sofort online auf diesem Museumblog.
Das Kriegsende 1945 im Raum Lingen – 4 / 8
Die Nationalsozialisten nutzen ihre Kriegserfolge für die schonungslose Vernichtung der Juden aus Deutschland und den von der Wehrmacht besetzten Ländern Europas. Doch auch die Deutschen spürten immer mehr die Folgen des Kriegs, denn je deutlicher sich die Niederlage abzeichnete, desto rücksichtsloser handelten die Nationalsozialisten auch gegen die eigene Bevölkerung.
Krankheitsbehandlung früher
Im 17. Jahrhundert grassierte die Pest
Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es zu einer letzten größeren Pestepidemie in Mitteleuropa. Betroffen war auch das Emsland, wo in alten Chroniken und Kirchenbüchern von Todesopfern berichtet wird.
Die Medizin stand dieser Krankzeit damals ohne probates Mittel gegenüber. Darüber berichtet auch ein medizinisches Buch aus dem Besitz des berühmten „Medicus Wesken“ (Andreas Wesken), der seine Praxis am Lingener Andreasplatz hatte. Sein handschriftlicher Besitzervermerk findet sich auf dem Titelblatt des Buches über dem Namen des Autors. Dieses in Privatbesitz überlieferte Band gelangte vor einigen Jahren in das Emslandmuseum.
Das vom Mediziner Paulus Barbette verfasste, 1662 in Amsterdam gedruckte und in Leder eingebundene Buch enthält auch ein eigenes Kapitel zur Behandlung von ansteckenden Krankheiten wie der der Pest. Was hier für den schlimmsten Fall der Fälle empfohlen wird, stimmt allerdings kaum tröstlich. Denn als „Mittel, sich von der Pest zu befreien“ rät der Autor am Ende zu einem eifrigen Gebet als dem am besten geeigneten Mittel, um sich von der Krankheit zu befreien.
Außer der Furcht vor Gott und dem inständigen Gebet sollen helfen: Das Entzünden von Pestfeuern zur Reinigung der Luft sowie das tägliche Reinigen der Häuser. Abgeraten wird vom Einsatz bestimmter Volksheilmittel, insbesondere von Theriac, einem früher weit verbreiteten alchemistischen Heilmittel aus Venedig. Vielmehr sollen Weihrauch, Myrrhe oder heimische Wacholderbeeren verräuchert werden.
Bohrlöcher sind vorbereitet
Noch hat der Tresor nicht verspielt
Noch hat der Tresor der früheren Landeszentralbank mit seiner ca. 80 cm starken Betondecke und etwa gleichstarken Wänden nicht verspielt. Doch hier sind die Bohrlöcher für seine Zerkleinerung bereits vorbereitet.
Keine Sorge, an eine kontrollierte Sprengung ist derzeit nicht gedacht, sondern mit einer Betonsäge werden Mauern und Decke in handliche Blöcke zerlegt und dann abgetragen.
Im Hintergrund beginnt bereits die Baustelleneinrichtung für die Bohrung der bis zu 12 Meter tiefen Betonpfeiler, auf denen der Neubau sicher stehen wird.






















