Lingener Geschichte im Bild (61)

Die heutige Folge der Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum handelt vom Politiker Ludwig Windthorst. Er war der wichtigste politische Vertreter der Katholiken im Königreich Hannover uns später ein Anführer der katholischen Zentrumspartei im Deutschen Reichstag. Dort war Windthorst der wichtigste Gegenspieler Bismarcks im sogenannten „Kulturkampf“, also der Auseinandersetzung zwischen dem Preußischen Staat und der katholischen Kirche.

1812 in Ostercappeln geboren studierte Windthorst Jura und gründete 1836 eine erfolgreiche Anwaltskanzlei in Osnabrück. Bald übernahm er auch politische Ämter und war ab 1851 der erste katholische Justizminister im überwiegend protestantischen Königreich Hannover. Er führte eine Justizreform durch und war beteiligt an der Wiedererrichtung des Bistums Osnabrück.
Nach dem Übergang Hannovers an Preußen wurde Windthorst 1867 als Abgeordneter des Emslandes in den preußischen Landtag und später in den deutschen Reichstag gewählt. Windthorst setzte sich dort zunächst für eine konfessionsübergreifende christliche Partei ein, doch scheiterte diese Idee am Kulturkampf Bismarcks, der Katholiken und Protestanten politisch entzweite. Nun wurde Windthorst der führende Vertreter des Zentrums im Reichstag.

In der katholischen Bevölkerung war er als taktisch meisterhafter Politiker und als Verteidiger der Rechte von Katholiken und Minderheiten höchst beliebt. Das Emsland als Wahlkreis Windthorsts galt damals als Zentrumshochburg schlechthin. Häufig war Windthorst zu Besuch bei politischen Veranstaltungen in Lingen.
Als Papst Leo XIII. über die Köpfe des Zentrums hinweg mit Bismarck direkt verhandelte, ließ sich Windthorst nicht beirren und entwickelte den politischen Katholizismus in Deutschland zu einer eigenständigen Partei, aus der Generationen später nach dem Zweiten Weltkrieg die CDU Konrad Adenauers hervorging.

Windthorst starb 1891 in Berlin als unumstrittener Vordenker und Vertreter des politischen Katholizismus in Deutschland. Er zählt zu den bedeutendsten deutschen Parlamentariern im 19. Jahrhundert und war ein Kämpfer für kirchliche, politische und bürgerliche Freiheiten. Die katholische Akademie LWH und eine dort ansässige Stiftung sind nach Ludwig Windthorst benannt. In Lingen und weiteren Städten erinnern Straßennamen an den verdienten Politiker.