Butze oder Durk?

Wie das Schrankbett im Emsland hieß

Auf dem Instagram-Kanal des Emslandmuseums Lingen ist kürzlich die Frage nach den Bezeichnungen für das Schrankbett im alten Emsland gestellt worden. Eigentlich heißt das schrankartige Wandbett hier Butze.

Butze im Kutscherhaus des Emslandmuseums in Lingen.

Doch ist dieser Begriff kein niederdeutsch-germanisches Wort, sondern ein Lehnwort aus dem Französischen: Altfranzösisch bouge, buge, das seinerseits zurückgeht auf gallisch bulga ‚Ledersack‘. Von der ursprünglichen Bedeutung ‚Schlauch, Lederbeutel‘, dann ‚Felleisen, Ledertasche, Börse‘ entwickelte sich später auch ‚bauchiger Teil von Gegenständen, etwa einer Tonne oder Radnabe‘ (seit dem 12. Jahrhundert) sowie ‚Wölbung des Schiffsrumpfes, kleine Bütte, Mauernische, Rumpelkammer, Bettnische, Spelunke, Bordell‘.

Im 14. Jahrhundert nahm das Wort dann die Bedeutung ‚kleiner, in eine Zimmerwand eingebauter Abstellraum, Bettnische, enges dunkles Gemach‘ an. Ab dieser Zeit drang der Ausdruck nach Osten und Norden ins Niederländische und Englische vor und gelangte somit letztlich auch ins Emsland, wo es die damals dort vorherrschende, ältere Bezeichnung verdrängte.

Und diese war Durk, eine Verkürzung aus Durrik. Dieses Wort basiert auf germanisch *thurruka ‚Krummholz‘, altenglisch thurroc ‚Schiffskoje‘. Wort und Sache stammen also ursprünglich aus dem Schiffsbau, wo unter Deck ebenfalls Schlafkojen eingebaut waren.

Der heute verwendete Fachbegriff Alkoven stammt hingegen aus dem Arabischen: al-qubba meint ‚Zelt, Gewölbe, kleines Gemach‘ und wurde als alcoba ‚kleiner Nebenraum zum Schlafen‘ ins Spanische entlehnt und dann um 1700 über französisch alcôve dem Deutschen, Niederländischen und Nordischen vermittelt. Als Bezeichnung eines durch Türen oder Vorhänge von einem größeren Zimmer abschließbaren Wandbetts muss das Fremdwort verhältnismäßig schnell aus städtischen in bäuerliche Kreise eingedrungen sein. Auch an der deutschen Nordseeküste, vor allem in Nord-Oldenburg, hat das moderne städtische Fremdwort weitgehend die altertümlichen und bäuerlichen Bezeichnungen des Wandbetts verdrängt. Zunächst wurde das Wort in der städtischen Kultur aufgenommen, dann von der bäuerlichen Oberschicht und letztlich auch von den unteren Gruppen der ländlichen Gesellschaft übernommen.

Verbreitung der Bezeichnungen für das Schrankbett in Nordwestdeutschland nach Foerste 1961.

Das Schrankbett hieß also auch im Emsland ursprünglich Durk – wie im gesamten westlichen Norddeutschland – und wurde dann von Butze verdrängt – wie auch im Westmünsterland niederrheinisch Beddekast und im Oldenburgischen Alkoven eindrang und das alte Durk ersetzte.

Literatur

William Foerste, Niederdeutsche Bezeichnungen des Schrankbetts, in: Niederdeutsches Wort 2 (1961), S. 23–64.