Hut oder Hass?

Woher der Name Heitel stammt

Hat der Name Heitel etwas mit der Kopfbedeckung namens Hut zu tun? Das wird zumindest im neuen Ortsnamenbuch des Kreises Emsland (erschienen 2026) behauptet. Zwar wird hier Heitel nicht direkt auf den Hut bezogen, aber angegeben, Namen und Wort hätten einen gleichen Ursprung, der ‚gebogen‘ oder ‚geneigt‘ bedeutet habe. So kommt die Autorin, Claudia Maria Korsmeier, zu einer Deutung für Heitel als ‚beim Wald am Abhang‘.

Karte der Plantlünner Mark. 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Osnabrück, K, 32 Plantlünne Nr. 1 H.

Doch schauen wir uns das Ganze einmal genauer an: Die ältesten Belege des Namens, die in alten Aufzeichnungen des Klosters Werden a.d. Ruhr aus dem frühen 10. Jahrhundert erschienen, lauten Hatiloha und Hetiloha. Das e in der Form Hetiloha ist durch das nachfolgende i zu erklären, das das a zu e umlautet. Die Ausgangsform ist also Hatiloha, aus der sich dann Hetiloha, Hedela (um 1000, Abschrift 1479), Hethlo (um 1150), Hetelo (1245, Abschrift) und schließlich Heytel (1418) entwickelt.

Das Grundwort des Namens ist unstrittig: -loha ist der Wald, vor allem der Niederwald oder Hudewald. Doch das Bestimmungswort gibt Rätsel auf. Wegen der Form Hedela (um 1000) hat man es zur Heide, altniederdeutsch hêtha, stellen wollen. Doch passt hier nicht das th, das einen Zahlreibelaut meint und später zu d wird, zum t in Hati-. Das sind im Germanischen unterschiedliche Laute, die nicht vermischt werden dürfen. Gleiches gilt für den Anschluss an germanisch haϷu, altniederdeutsch hathu ‚Kampf‘, das etwa in Hadeln, alt Haduloha, anzutreffen ist.

Claudia Maria Korsmeier setzt nun ein germanisches Wort *hat ‚Gebogenes, Geneigtes‘ an, das angeblich auch in altenglisch hæt(t), englisch hat ‚Hut, Kopfbedeckung‘ stecke. Nur ist das mit der bisherigen Etymologie nicht zu vereinen. Denn das Wortfeld um Hut geht in allen germanischen Sprachen auf ‚hüten, bedecken‘ zurück und meint eigentlich ‚Obdach, Schutz‘. Ein germanisches Wort *hat in der Bedeutung ‚Gebogenes, Geneigtes‘ ist also abzulehnen. Auch eine germanische Basis *hađ /*haϷ ‚Berg, Abhang, Schräge‘, die von Jürgen Udolph für Haduloha/Hadeln erwogen wird, und die angeblich mit Schärfung des Dentals đ/Ϸ zu t auch in Hatiloha stecke, bleibt fern, weil sie ebenfalls etymologisch nicht abgesichert ist.

Schaut man nun nach einem passenden Ansatz, kommt man zum Wortfeld um germanisch *hati ‚Hass, Zorn, Bosheit, Kummer, Feindschaft, Verfolgung‘. Dass diese Begrifflichkeiten aus semantischen, also hinsichtlich der Bedeutung, nicht in Frage kämen, wie Korsmeier meint, widerlegen Waldnamen wie Striethorst ‚Streit-Wald‘ (zu horst ‚Hudewald, Niederwald‘), Haduloha/Hadeln (‚Kampf-Wald‘, zu germanisch haϷu ‚Kampf‘, vergl. Hader) oder der 859 genannte und bei Osnabrück zu verortende Landschaftsname Threcuuiti, eigentlich *Threkwidi, der zu altniederdeutsch threki ‚Kraft, Gewalt, Kummer‘ und widu ‚Wald‘ gehört. Dazu ist auch ein altenglischer Flurname Wrokcumbe zu stellen, der als ‚Hass-Tal‘ oder ‚Streit-Tal‘ zu übersetzen ist.

In der nordischen Mythologie finden wir dann zudem einen Ortsnamen, der genau passt: Hatafiorð oder Hatafjord, den man als ‚Hass-Fjord‘ übersetzen kann.

Ein Hatiloha, ein ‚Hass-Wald‘ ist also semantisch durchaus möglich, auch wenn uns das eigentliche Motiv für diese Benennung verborgen bliebt. Vielleicht hat hier einst ein Kampf stattgefunden.