Sumerhamen und Winterham

Woher der Name Sommeringen kommt

Ist es in Sommeringen sommerlicher als in anderen Orten des Emslandes? Aus dem Ortsnamen könnte man eine solche Annahme ableiten. Und tatsächlich hat er etwas mit der Jahreszeit zu tun.

Topographische Karte der Grafschaften Lingen, Bentheim und des Herzogthums Arenberg-Meppen, Bl. 83, 1853.

Erstmals erwähnt wird der Name um 1150 als „Sumerhamen“, 1285 kommt er als „Somerhamen“ vor. Erst im Jahr 1417 ändert sich die Bildungsweise des Namens, indem das Grundwort -hamen verschwindet und die Endung (Suffix) -ing(en) auftritt. Mit -ing(en) wurden Personengruppen bezeichnet. Hier könnte also der teilweise Namenswechsel damit zu erklären sein, dass nun auf die Einwohner des Ortes rekurriert wurde.

Die ältere Namenform ist gebildet mit dem Grundwort -hamen, das soviel wie ‚Zaun‘, ‚Gatter‘ oder ‚Pferch‘ bedeutet. Auf Basis von Quellenbelegen übersetzt das Mittelniederdeutsche Wörterbuch: „ein (durch Gräben) eingefriedigtes Stück Land, auf der Geest, wo die Einfriedung durch Hecken, Wälle, Knicke etc. geschieht, kamp genannt.“ Hier seien einige Beispiele zur Verdeutlichung angeführt: In den Rechnungen der Stadt Wesel wird zum 17. Mai 1447 berichtet, dass „die halbe Stadt zum Landhüten beim ham gegenüber Rheinberg“ lag. In diesem Zusammenhang bezeichnet ham einen Schutzzaun bzw. eine Landwehr, also eine befestigte Einfriedung, die der Sicherung des Territoriums diente. Ein weiterer Nachweis findet sich in einem Gerichtsfall aus Eiderstedt von 1479/80. Zwei Dithmarscher klagen dort, dass ihnen dreißig Bullen geraubt und anschließend „in en ham“ fünf Tage lang festgehalten worden seien. Da die Tiere in dieser Zeit eingeschlossen waren und schließlich eingingen, muss es sich bei diesem ham um einen stabilen Pferch oder ein festes Zaunwerk aus Bohlen und Planken gehandelt haben, das auch größere Tiere sicher einschließen konnte – vor allem, wenn diese nicht mit Wasser und Futter versorgt wurden. Ein drittes Zeugnis liefert eine Holsteinische Chronik von 1448, die eine Schlacht von 1404 gegen die Dithmarscher beschreibt. Der Ort der Schlacht wird als „Suderhamme“ bezeichnet und näher charakterisiert: Das Gebiet besaß eine starke Befestigung mit zwei oder drei Gräben und lag in sumpfigem Gelände mit dichtem Wald; durch dieses führte ein enger steinerner Weg. Diese Beschreibung zeigt deutlich, dass ham hier ein befestigtes, eingehegtes Gelände meint. Der Dithmarscher Chronist Johann Adolf Neocorus (16.–17. Jahrhundert) greift diese Darstellung später auf und erklärt Suder-Hamme ausdrücklich als Landwehr mit mehreren Gräben und dichter Bewachsung, durch die ein schmaler Weg führte. Auch diese Erklärung bestätigt, dass ham ursprünglich eine Einfriedung oder Befestigung bezeichnete.

Dass im Bestimmungswort des Namens wirklich der Sommer, altniederdeutsch sumar, mittelniederdeutsch sômer, sommer, steckt, beweist auch das Pendant des Namens: In der Nähe lag nämlich der Ort Winterham: 1365 „Winterhem“, 1372 „Winterham“, 1381 „Winterham“, dessen Name später nicht mehr erscheint. Sommer- und Winter- in den Benennungen können sich auf die nördliche und südliche Lage der Orte beziehen, denn Winter kann in Namen metaphorisch auch schattig, kühl oder nördlich, Sommer hingegen sonnig, warm oder südlich bedeuten. Da das Grundwort aber als Zaun oder Pferch übersetzt werden kann, könnten hier Viehverschläge oder Viehställe gemeint sein, die im Sommer oder im Winter genutzt wurden. Das ist wahrscheinlich, wenn man sich Ortsnamen wie Sommersell (zu -sêle ‚Saal, Raum, Gebäude, Haus‘) bei Barntrup oder bei Ennigerloh anschaut – Gebäude also die ebenfalls nur zu bestimmten Jahreszeiten genutzt wurden.